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Radverkehr zählen und messen

Zählungen zeigen, wo Radverkehr stattfindet, wie sich Maßnahmen auswirken und wo weiterer Handlungsbedarf besteht. Der Beitrag gibt einen Überblick über Methoden, mögliche Einsatzbereiche und Qualitätskriterien für das Messen von Radverkehr.

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Warum den Radverkehr messen?

In der Praxis wird der Radverkehr häufig dann erfasst, wenn eine konkrete Maßnahme geplant, umgesetzt oder evaluiert wird, beispielsweise bei einem neuen Radweg, einer Fahrradstraße, neuen oder erweiterten Radabstellanlagen oder beim Aufbau einer Hauptradroute. Mithilfe von Zählungen kann ermittelt werden, wie stark eine Verbindung genutzt wird, wie sich der Radverkehr über den Tag, die Woche oder das Jahr verteilt und ob eine Maßnahme tatsächlich zu mehr Radverkehr führt.

Der Masterplan Radfahren 2030 unterstreicht die Bedeutung aktueller und umfassender Radverkehrsdaten: Radverkehrsstatistiken sollen als Entscheidungsgrundlage für die Förderung des Radverkehrs dienen. Dafür sind harmonisierte Zählungen und ein österreichweit möglichst einheitliches Radverkehrszählsystem notwendig. Ziel des Masterplans ist es, den Radverkehrsanteil in Österreich auf 13 Prozent zu erhöhen.

Wie kann ich Radfahrende verstehen und messen?

Bei der Messung unterscheidet sich der Radverkehr sowohl vom Kfz- als auch vom Fußverkehr. Radfahrende bewegen sich in der Regel linienhaft entlang von Routen, Achsen oder Straßenzügen. Deshalb eignen sich Querschnittszählungen besonders gut, um die Nutzung einer Radverbindung zu erfassen.
Gleichzeitig ist der Radverkehr stark abhängig von Jahreszeit, Wetter, Wochentag, Schul- und Ferienzeiten sowie von der Qualität der Infrastruktur. Eine einzelne Zählung an einem Tag liefert daher nur einen Ausschnitt. Um belastbare Aussagen treffen zu können, sollten der Messzeitraum, das Wetter, die Temperatur, die Ferien, Baustellen und besondere Ereignisse dokumentiert werden.

Tipp: Messen Sie zu verschiedenen Zeitpunkten
Der Radverkehr kann sich zwischen Werktagen, Wochenenden, Frühling, Sommer, Herbst und Winter stark unterscheiden. Für Vorher-Nachher-Vergleiche sollten möglichst dieselben Monate, Wochentage und Zeitfenster herangezogen werden. Nur so lassen sich Entwicklungen langfristig vergleichen.

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Radzählstelle in Wien, Praterstern

Automatisiert zählen: Sensoren und Zählgeräte

Automatische Zählgeräte eignen sich besonders, wenn über längere Zeiträume gemessen werden soll. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Datenqualität, Installationsaufwand, Energieversorgung, Wartung, Datenschutz und der Möglichkeit, zwischen Verkehrsmitteln zu unterscheiden. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht über gängige Zählsysteme mit einer Auswahl an Einsatzmöglichkeiten, Vorteile des Systems und Tipps zur Nutzung.

Für die automatische Zählung des Radverkehrs werden häufig im oder am Boden installierte Sensoren eingesetzt. Besonders verbreitet sind Induktionsschleifen, die Fahrräder über metallische Bestandteile erkennen. Daneben gibt es auch magnetische beziehungsweise geomagnetische Sensoren, die Veränderungen des Magnetfelds durch vorbeifahrende Fahrräder erfassen. Solche Systeme werden insbesondere auf schmalen Wegen, Radwegen oder Mountainbike-Trails eingesetzt. Für kommunale Dauerzählstellen auf Hauptradrouten sind Induktionsschleifen, Radar, Kamera-/3D-Systeme oder andere klassifizierende Sensoren jedoch meist üblicher.

Geeignet für:

  • Dauerzählstellen 
  • getrennte Radwege 
  • Hauptradrouten 
  • langfristiges Monitoring 
  • Jahresganglinien und Wirkungsnachweise 

Vorteile:

  • unauffällige und robuste Lösung 
  • gut für langfristige Zeitreihen 
  • gute Grundlage für Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesprofile 
  • bei geeigneter Anordnung auch Richtungserfassung möglich

Zu beachten:

  • Einbau in den Belag erforderlich 
  • Standortwahl muss sorgfältig erfolgen 
  • bei Baustellen oder Belagssanierungen besteht Anpassungsbedarf 
  • auf gemischten Geh- und Radwegen nur sinnvoll, wenn Fußverkehr nicht mitgezählt wird

Pneumatische Zählschläuche sind eine bewährte Methode für temporäre Radverkehrszählungen. Dabei werden ein oder zwei dünne Schläuche quer über den Radweg, Radfahrstreifen oder die Fahrbahn gelegt. Fährt ein Fahrrad darüber, erzeugen die Reifen Druckimpulse im Schlauch. Diese Impulse werden von einem Zählgerät registriert und anschließend ausgewertet.

Die Methode eignet sich besonders für kurzzeitige und mobile Erhebungen, etwa wenn mehrere Standorte in einer Gemeinde untersucht werden sollen oder wenn vor und nach einer Maßnahme verglichen wird. Pneumatische Zählschläuche können ohne baulichen Eingriff montiert und nach einigen Tagen oder Wochen wieder entfernt werden. Dadurch sind sie vergleichsweise flexibel und kostengünstig einsetzbar.

Geeignet für:

  • Kurzzeitzählungen 
  • Vorher-Nachher-Vergleiche 
  • Radverkehrskonzepte 
  • Erhebungen an mehreren Standorten 
  • mobile Messkampagnen 

Vorteile:

  • rasche Installation
  • vergleichsweise geringe Kosten
  • gut für mehrtägige oder mehrwöchige Zählungen 
  • flexibel an mehreren Standorten einsetzbar 

Zu beachten:

  • nicht ideal für Dauerzählungen 
  • anfällig für Beschädigung, Vandalismus oder Verschiebung 
  • bei nebeneinander fahrenden Radfahrenden kann es zu Ungenauigkeiten kommen 
  • im Mischverkehr mit Kfz ist eine sorgfältige Auswertung erforderlich

Druck- und Vibrationssensoren beziehungsweise Zählmatten erfassen mechanische Impulse direkt im oder unter dem Weg. Sie sind unauffälliger, können je nach System längerfristig eingesetzt werden und ermöglichen teilweise die getrennte Erfassung von Rad- und Fußverkehr. 

Geeignet für:

  • langfristige Zählungen auf Wegen, Trails, Forststraßen und touristischen Radverbindungen 
  • gemeinsame Geh- und Radwege, wenn das System Fuß- und Radverkehr unterscheiden kann 
  • Standorte, an denen eine unauffällige oder verdeckte Messung gewünscht ist 
  • Besucher:innen- und Nutzungsmonitoring in Natur- und Erholungsräumen 

Vorteile:

  • verdeckte und dadurch vandalismusärmere Installation 
  • keine Bildaufzeichnung und daher datenschutzfreundlich 
  • je nach System getrennte Erfassung von Rad- und Fußverkehr möglich 
  • unabhängig von Lichtverhältnissen und gut für längere Messzeiträume geeignet 

Zu beachten:

  • Einbau beziehungsweise Platzierung im oder unter dem Weg erforderlich 
  • Untergrund, Wegbreite und Erfassungsbereich müssen zum System passen 
  • Kalibrierung und Qualitätssicherung sind wichtig, besonders bei der Unterscheidung von Fuß- und Radverkehr 
  • für Knotenpunkte, Abbiegebeziehungen oder Konfliktanalysen nur eingeschränkt geeignet

Weitere Informationen zu druck- und vibrationsbasierten Zählsystemen bietet unter anderem der klimaaktiv mobil Programmpartner Trailpulse GmbH

Radar- und Mikrowellensensoren erfassen Radfahrende berührungslos. Die Sensoren werden meist seitlich oder oberhalb des Verkehrsraums montiert und erkennen bewegte Objekte über reflektierte Signale. Je nach System können neben der Anzahl auch Fahrtrichtung, Geschwindigkeit und teilweise unterschiedliche Verkehrsmittelklassen erfasst werden.

Für den Radverkehr sind Radar- und Mikrowellensensoren besonders interessant, wenn keine Einbauten im Belag möglich oder gewünscht sind. Sie können temporär oder dauerhaft eingesetzt werden und eignen sich vor allem für Radwege, Radfahrstreifen, Fahrradstraßen oder Straßenräume, in denen Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit zusätzlich von Interesse sind. Moderne Systeme werden auch für multimodale Erhebungen eingesetzt, also für die gemeinsame Erfassung von Rad-, Fuß- und Kfz-Verkehr.

Geeignet für:

  • temporäre oder dauerhafte Zählungen 
  • Radverkehrszählungen ohne Eingriff in den Belag 
  • Geschwindigkeitserhebungen 
  • Richtungserfassung

Vorteile:

  • kein Eingriff in den Straßen- oder Wegebelag
  • auch bei Dunkelheit einsetzbar 
  • kann zusätzlich Geschwindigkeiten und Richtungen erfassen 
  • auch für mobile Messkampagnen nutzbar

Zu beachten:

  • Positionierung und Kalibrierung sind entscheidend
  • Klassifikation von Radfahrenden, zu-Fuß-Gehende und Kfz-Verkehr hängt stark vom System ab 
  • bei dichtem Mischverkehr können Fehlklassifikationen auftreten 
  • Standortwahl ist entscheidend für die Datenqualität 

Pyroelektrische Sensoren erfassen Wärmeveränderungen in ihrer Umgebung. Bewegt sich eine Person oder ein Objekt durch den Erfassungsbereich, wird diese Veränderung registriert und gezählt. Beim Fußverkehr werden solche Sensoren häufig eingesetzt, weil sie vergleichsweise einfach und kostengünstig sind. Für den Radverkehr sind pyroelektrische und einfache Infrarot-Sensoren daher vor allem dort geeignet, wo Radfahrende klar getrennt vom Fußverkehr unterwegs sind. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen, Plätzen oder stark gemischten Bereichen sind sie nur eingeschränkt geeignet, sofern sie nicht mit weiteren Sensoren kombiniert werden.

Geeignet für:

  • einfache Zählungen auf klar getrennten Radwegen 
  • ergänzende Messungen auf Wegen mit eindeutiger Nutzung
  • Standorte mit eindeutigem Verkehrsablauf 
  • Temporäre oder dauerhafte Zählungen mit einfachem Datenbedarf

Vorteile:

  • vergleichsweise einfache Montage 
  • kein Eingriff in den Belag 
  • für einfache Querschnittszählungen geeignet
  • auch für kleinere Gemeinden interessant

Zu beachten:

  • einfache Systeme unterscheiden nicht zuverlässig zwischen Fuß- und Radverkehr 
  • Gruppen können unter- oder fehlgezählt werden
  • Gegenverkehr kann die Genauigkeit reduzieren
  • Standort und Ausrichtung sind entscheidend

Laserscanner, LiDAR- und 3D-Sensoren erfassen Bewegungen räumlich. Je nach System werden Objektumrisse, Abstände, Höhenprofile oder Bewegungsmuster erkannt. Dadurch können unterschiedliche Verkehrsteilnehmer:innen besser unterschieden werden als bei einfachen Zählsensoren. Für den Radverkehr sind solche Systeme besonders interessant, wenn die Verkehrssituation komplex ist: etwa auf gemeinsamen Geh- und Radwegen, an Querungen, bei Haltestellen, in Begegnungszonen, auf Plätzen oder an Knotenpunkten. Sie können nicht nur zählen, sondern je nach System auch Bewegungsrichtungen, Trajektorien, Geschwindigkeiten und Interaktionen abbilden.

Geeignet für:

  • gemeinsame Geh- und Radwege 
  • Plätze, Begegnungszonen und komplexe Straßenräume 
  • Knotenpunkte und Querungen 
  • Haltestellenbereiche
  • Konfliktanalysen 
  • Detaillierte Vorher-Nachher-Untersuchungen

Vorteile:

  • auch für komplexe Situationen geeignet 
  • gute Unterscheidung zwischen Fuß- und Radverkehr möglich 
  • Erfassung von Bewegungsrichtungen
  • weniger abhängig von sichtbaren Bilddaten als klassische Kamerasysteme

Zu beachten:

  • höhere Kosten als bei einfachen Sensoren
  • sorgfältige Standortwahl erforderlich
  • genaue Positionierung und Kalibrierung erforderlich 
  • Auswertung komplexer als bei einfachen Zählgeräten

Optische Kamerasysteme erfassen den Verkehrsraum bildbasiert. Die Auswertung kann manuell, teilautomatisiert oder mit KI-gestützter Bildanalyse erfolgen. Je nach System können Radfahrende, Fußgänger:innen, Kfz, Busse, Lkw, E-Scooter oder andere Verkehrsteilnehmer:innen erkannt und getrennt ausgewertet werden. Für den Radverkehr sind Kamerasysteme besonders geeignet, wenn mehr als reine Zählwerte benötigt werden: etwa Abbiegebeziehungen, Fahrtrichtungen, Konflikte, Rotlichtverhalten, Nutzung der vorgesehenen Infrastruktur oder Interaktionen zwischen Rad-, Fuß- und Kfz-Verkehr.

Geeignet für:

  • Knotenpunktzählungen 
  • Abbiegebeziehungen 
  • komplexe Querungen 
  • gemeinsame Geh- und Radverkehrsflächen 
  • Vorher-Nachher-Untersuchungen 
  • Erfassung mehrerer Verkehrsarten gleichzeitig 

Vorteile:

  • Erfassung mehrerer Verkehrsarten gleichzeitig möglich
  • Richtungen und Abbiegebeziehungen gut analysierbar
  • geeignet für Knotenpunkte und komplexe Räume
  • Trennung von Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr möglich 
  • datenschutzfreundlich bei integrierter Auswertung ohne Bildspeicherung

Zu beachten:

  • Datenschutz frühzeitig prüfen 
  • transparente Kommunikation gegenüber Bevölkerung und Politik 
  • Beleuchtung, Witterung und Kameraposition beeinflussen die Qualität 
  • Kameraposition, Blickwinkel und Umgebung können Störungen erzeugen
  • nicht jedes System ist gleich gut für alle Verkehrssituationen geeignet

Manuell zählen und Verhalten beobachten

Manuelle Zählungen sind eine einfache und kostengünstige Methode, vor allem wenn konkrete Fragen an einem bestimmten Ort beantwortet werden sollen. Sie eignen sich gut für Spitzenstunden, Knotenpunkte, Querungen, Schulumfelder oder Situationen, in denen zusätzlich zum reinen Aufkommen auch Verhalten beobachtet werden soll. Bei manuellen Radverkehrszählungen können neben der Anzahl auch weitere Merkmale erhoben werden:

  • Fahrtrichtung 
  • Abbiegebeziehungen 
  • Nutzung der vorgesehenen Infrastruktur 
  • Fahren auf Gehsteigen oder in Gegenrichtung 
  • Fahrradtyp, zum Beispiel Alltagsrad, E-Bike, (E-)Lastenrad, (E-)Faltrad
  • Altersgruppen oder sichtbare Nutzer:innengruppen
  • Konflikte mit Fußverkehr, Kfz oder öffentlichem Verkehr 
  • Helm, Beleuchtung oder sonstige Ausstattungsmerkmale, falls relevant 

Radverkehr mit Tracking- und App-Daten ergänzen

Neben Zählstellen und manuellen Erhebungen können auch digitale Bewegungsdaten Aufschluss über die Nutzung des Radverkehrsnetzes geben. Tracking- und App-Daten können klassische Radverkehrszählungen sinnvoll ergänzen. Aus GPS-Aufzeichnungen von Rad-, Fitness- oder Navigations-Apps lassen sich beispielsweise Hinweise auf die Routenwahl, häufig genutzte Korridore, Umwege, Wunschlinien, Reiseweiten und mögliche Netzlücken ableiten. Solche Daten sind besonders hilfreich, wenn nicht nur die Anzahl der Radfahrenden an einer einzelnen Zählstelle, sondern auch die räumlichen Muster im gesamten Radverkehrsnetz sichtbar gemacht werden sollen. Studien zeigen, dass crowdsourcingbasierte Daten, wie sie etwa in der Strava-Heatmap zu finden sind, räumliche Radverkehrsmuster gut abbilden können, insbesondere wenn sie mit Zähldaten kalibriert oder plausibilisiert werden.

Für die Planung sollten Tracking- und App-Daten jedoch nicht als Ersatz für Zählstellen verstanden werden. Sie erfassen in der Regel nur einen Teil der Radfahrenden und können bestimmte Gruppen, wie Alltagsradfahrende ohne App-Nutzung, Kinder, ältere Menschen oder Gelegenheitsradfahrende, unterrepräsentieren. Sinnvoll ist daher die Kombination mit Dauerzählstellen, temporären Zählungen, Befragungen und lokalen Kenntnissen.

Gut zu wissen: Radverkehrszählungen sind besonders aussagekräftig, wenn sie regelmäßig, vergleichbar und qualitätsgesichert durchgeführt werden. Für einzelne Projekte reichen oft Kurzzeitzählungen oder manuelle Erhebungen aus. Für langfristiges Monitoring sind Dauerzählstellen sinnvoll. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen sollten nur Systeme eingesetzt werden, die zuverlässig zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden unterscheiden können

Radverkehr sichtbar kommunizieren

Radverkehrsdaten können nicht nur für die Planung und das Monitoring, sondern auch für die Kommunikation und Bewusstseinsbildung genutzt werden. Fahrradbarometer und öffentliche Zähldisplays machen den Radverkehr sichtbar. Sie zeigen in der Regel die Tages- und Jahreswerte einer automatischen Zählstelle an und eignen sich besonders für stark frequentierte Hauptradrouten, zentrale Radachsen und öffentlichkeitswirksame Standorte. Ihr Nutzen liegt weniger in einer eigenen Messtechnologie als in der Kommunikation: Der Radverkehr wird sichtbar, Erfolge können gezeigt und Investitionen besser vermittelt werden. Wichtig ist, dass die zugrunde liegende Zählstelle gut kalibriert ist und die Datenqualität gesichert wird. 

Öffentliche Ressourcen nutzen: Radzählstellenbericht

Radverkehrsdaten stehen in Österreich nicht nur lokal, sondern auch überregionale öffentliche Ressourcen zur Verfügung. Besonders wertvoll ist der jährlich erscheinende Radzählstellenbericht, der eine umfassende Datengrundlage für Gemeinden, Regionen und Länder bietet. Der aktuelle Bericht wertet Daten aus 218 automatischen Fahrradzählstellen aus; 109 Zählstellen wurden detailliert analysiert, da sie vollständige Stundenwerte ohne Ausfälle liefern. Die Ergebnisse zeigen: Radverkehr ist nicht gleich Radverkehr. Nutzungsmotive, Tagesverläufe, Jahreszeiten und Temperaturverhalten unterscheiden sich deutlich. Zudem zeigt sich ein eindeutiges Stadt-Land-Gefälle.

Alltagsverkehr und touristischer Verkehr

Die österreichischen Radzählstellen werden im Bericht in drei Nutzungstypen gliedern: Alltagsradverkehr, touristischen Radverkehr und gemischten Verkehr.

  • Alltagsradverkehr: Diese Zählstellen zeigen sich eine deutliche Morgenspitze und eine etwas schwächere Abendspitze. Am Wochenende sinkt das Aufkommen spürbar. Das Profil entspricht exakt den klassischen Pendlerströmen. Hier tritt vielfach ganzjährig ein Radverkehrsaufkommen auf.

  • Touristischer Radverkehr: Morgendliche und abendliche Spitzen fehlen fast vollständig. Stattdessen steigt das Aufkommen ab dem Vormittag stetig an und erreicht zwischen 13:00 und 15:00 Uhr sein Maximum. Im Winter ist der Verkehr oft minimal. Insgesamt schwanken die Zahlen hier sehr stark saisonal.

  • Gemischter Radverkehr: Pendler-Hochzeiten bleiben sichtbar, gleichzeitig ist die Grundlast über Mittag und frühen Nachmittag deutlich höher als bei reinen Alltagsstrecken. Über das gesamte Jahr hinweg ist ein hohes Radverkehrsaufkommen da.

Unterschiede in Stadt und Land

Zwischen urbanen und ländlichen Räumen zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Während der ländliche Raum das Fahrrad verstärkt für den Freizeitverkehr verwendet, ist im urbanen Raum das Fahrrad ein alltägliches Verkehrsmittel

Urbaner Raum Ländlicher Raum

Nutzungstyp

Alltägliches Verkehrsmittel

Saison- und freizeitorientiert

Tagesverlauf

Morgenspitze gegen 08:00 Uhr

Moderater Anstieg ab 06:00 Uhr

Höchstes Aufkommen gegen 16:00 Uhr

Plateau zwischen 10:00 und 14:00 Uhr

Hohe Grundlast bis ca. 20:00 Uhr

Rückgang ab 16:00 Uhr

Geringe, aber konstante Nachtaktivität

Nahezu kein Verkehr ab 22:00 Uhr

Verkehrsaufkommen

Rund 2.000 Fahrten/Tag

Rund 400 Fahrten/Tag

Wochenende

Stabil, aber geringer als werktags

Sonntagsspitzen

© AustriaTech – Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen GmbH

Im ländlichen Raum steigt der Radverkehr ab etwa 06:00 Uhr langsam an und pendelt sich zwischen 10:00 und 14:00 Uhr auf einem gleichmäßigen Niveau ein. Markante Spitzen bleiben aus. Ab dem späten Nachmittag geht das Aufkommen stetig zurück und fällt ab 22:00 Uhr nahezu vollständig ab.

Im urbanen Raum entsteht um 08:00 Uhr die erste starke Spitze durch Pendlerverkehr. Das höchste Niveau wird gegen 16:00 Uhr erreicht. Auch am Abend bleibt die Nutzung bis etwa 20:00 Uhr hoch und auch in der Nacht ist noch eine leichte, aber kontinuierliche Aktivität messbar.

Einfluss Außentemperatur

Die Außentemperatur hat einen Einfluss auf den Radverkehr, wobei der Radverkehr in den Städten dabei resilienter ist als der ländliche Radverkehr. In urbanen Räumen bleibt auch bei Minusgraden von bis zu -12 °C eine kontinuierliche Grundlast vorhanden. Ab 16 °C steigt der Radverkehr hier stark an und erreicht ihr Maximum 26 bis 28 °C – rund 115 Fahren pro Stunde wurden dabei gemessen. Selbst bei extremer Hitze von über 30 °C ist ein hohes Niveau von 100 Fahren pro Stunde vorhanden.

Im ländlichen Raum findet dagegen unter 8 °C kein Radverkehr statt. Erst bei angenehmen Temperaturen ab ca. 16 °C beginnt die Kurve spürbar zu steigen und gipfelt ebenfalls bei idealen 26 bis 28 °C. Bei starker Hitze bricht der Radverkehr wiederum deutlich ein.

Hier geht es zum gesamten Radzählstellenbericht 2024

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