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Einkaufsstraßen beleben: Was bringt der lokalen Wirtschaft wirklich Umsatz?

Fußverkehr ist der Schlüssel zu attraktiven Innenstädten – er sorgt für Frequenz, Umsatz und lebendige Orte. Sichere, ansprechende Wege stärken den Handel, der Parkplatz vor dem Geschäft ist hingegen weniger relevant. Mit gezielten Maßnahmen können Gemeinden die lokale Wirtschaft nachhaltig beleben.

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Lokale Wirtschaft durch attraktive Einkaufsstraßen

Der Online-Handel boomt, Einkäufe werden immer häufiger digital erledigt. Dadurch geraten viele Geschäfte zunehmend unter Druck.

Um die lokale Wirtschaft zu stärken, können Gemeinden gezielt auf lebendige Einkaufsstraßen setzen. Fußgänger:innen bleiben hier häufiger stehen, lassen sich inspirieren und nehmen sich Zeit, Waren zu betrachten. Ortszentren und Innenstädte mit attraktiven Einkaufsstraßen entwickeln sich so zu echten Magneten für Kundschaft.

Unter den richtigen Voraussetzungen bieten sie der lokalen Wirtschaft enorme Vorteile: Entscheidend sind gute Erreichbarkeit, ein ansprechendes Ambiente und Aufenthaltsqualität. Schaffen Gemeinden eine Umgebung, in der sich Besucher:innen wohlfühlen und gerne länger verweilen, profitieren Handel und Gastronomie vor Ort.

Was macht eine Einkaufsstraße attraktiv?

Ein Bericht der Wirtschaftskammer Wien zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen Umsatz und Passantenfrequenz. Darin liegt großes Potenzial, die lokale Wirtschaft zu stärken – vor allem durch eine Verbesserung der Fußgängerfreundlichkeit in Einkaufsstraßen.

Die Bereitschaft, Wege zu Fuß zurückzulegen, steigt deutlich an, wenn die Umgebung als ruhig, sicher und ansprechend wahrgenommen wird. Besonders verkehrsberuhigende Maßnahmen und geschützte Gehwege fördern den Fußverkehr. Davon profitiert auch die Wirtschaft.

Attraktive Einkaufsstraßen zeichnen sich durch folgende Faktoren aus:

  • Hoher Gehkomfort und barrierefreie Wege

  • Verkehrsberuhigende Maßnahmen (z.B. Fußgängerzonen)

  • Hohe Aufenthaltsqualität durch Sitzmöbel, Begrünung, Toiletten etc.

  • Sauberkeit

  • Ruhe, wenig Lärm

  • Gute Erreichbarkeit zu Fuß, mit Rad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln

  • Ansprechende Beleuchtung

  • Mix aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung

  • Kunst im öffentlichen Raum

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Anteil der autofahrenden Kund:innen in Städten wird überschätzt

Die weit verbreitete Annahme, dass nur Geschäfte mit großem Parkplatzangebot konkurrenzfähig sind, erweist sich als Irrglaube. Die Bedeutung des Fußverkehrs für die lokale Wirtschaft wird hingegen häufig unterschätzt. Vor allem in Großstädten und Einkaufsstraßen ist der Anteil der zu Fuß gehenden Kund:innen weitaus höher, als viele Händler:innen annehmen. Die meisten Menschen erreichen ihre Einkaufsziele mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß.

Beispiel Berlin (Schneidermesser 2021)

In einer Studie wurden jeweils rund ein Kilometer lange Abschnitte zweier stark frequentierter Einkaufsstraßen untersucht: der Kottbusser Damm und die Hermannstraße. Beide liegen in dicht besiedelten, urbanen Quartieren und sind stark verkehrsbelastet.
Im Rahmen der Untersuchung wurden zwei Umfragen durchgeführt und miteinander verglichen: Die erste erfasste die Einschätzungen der Gewerbetreibenden hinsichtlich des Mobilitätsverhaltens ihrer Kund:innen. Die zweite Umfrage dokumentierte das tatsächliche Mobilitätsverhalten der Kund:innen.

Das Ergebnis: Händler:innen überschätzten sowohl die Entfernung als auch den Anteil der Autofahrenden. Während die Mehrheit der Kund:innen im Umkreis von einem Kilometer wohnte, gingen die Gewerbetreibenden von bis zu zwei Kilometern aus. Auch die Wahl der Verkehrsmittel wurde deutlich falsch eingeschätzt. So wurde der Anteil der Autofahrenden auf durchschnittlich 15 Prozent oder mehr geschätzt, obwohl tatsächlich nur 6,6 Prozent mit dem Auto kamen. Der höchste Anteil entfiel auf den Fußverkehr mit 52,1 Prozent, gefolgt vom öffentlichen Nahverkehr (26,1 Prozent) und dem Radverkehr (14,6 Prozent). Damit entfiel rund 93 Prozent der Kund:innen auf den Umweltverbund.

Das deckt sich auch mit Ergebnissen aus dem Report Aktive Mobilität 2024 von klimaaktiv mobil: 3.684 Personen aus ganz Österreich wurden zu Ihrem Mobilitätsverhalten befragt, unter anderem auch zu ihren Wegezwecken. Rund 57 Prozent der Personen gaben an, regelmäßig zu Fußeinkaufen zu gehen. 

Alter Zu-Fuß-Gehende in %

16 bis 29 Jahre

62 Prozent

30 bis 39 Jahre

60 Prozent

40 bis 49 Jahre

52 Prozent

50 bis 59 Jahre

57 Prozent

60+

56 Prozent

Gesamt

57 Prozent

Report Aktive Mobilität 2024 

Grazer Studie: Kaufende Kund:innen sind vorrangig zu Fuß unterwegs

Aktuelle Einsichten über das Einkaufsverhalten in österreichischen Städten liefert die Grazer Studie Mobilitätsbezogenes Einkaufsverhalten in der Grazer Innenstadt vom November 2025. Sie entstand in Kooperation der Stadt Graz mit dem Zentrum für Aktive Mobilität und der Wirtschaftskammer Steiermark. Ziel der Untersuchung war es, den Zusammenhang zwischen der Wahl des Verkehrsmittels, den Beweggründen für einen Innenstadtbesuch sowie dem Einkaufsverhalten der Besucher:innen zu analysieren. Darüber hinaus wurden Faktoren wie die Attraktivität der Innenstadt und die vorhandene Mobilitätsinfrastruktur (z. B. Haltestellen, Parkmöglichkeiten) einbezogen, um ein umfassendes Bild der Besuchsmotive zu erhalten.

Dazu wurden über drei Wochen hinweg Passant:innen befragt – insgesamt 577 Fragebögen wurden ausgefüllt. Darüber hinaus wurde eine Umfrage unter 125 Gewerbetreibende der Grazer Innenstadt durchgeführt.

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Ergebnis: Passant:innen geben mehr Geld aus

Die häufigsten Besuchsmotive für die Grazer Innenstadt waren „Gastronomiebesuch“ und „Einkauf“. Dabei gaben die Fußgänger:innen pro Besuch zwar weniger Geld aus, kamen aber häufiger wieder. Auf das Jahr verteilt geben Passant:innen mit durchschnittlich 1.452 Euro etwa 2,5-mal so viel Geld in der Grazer Innenstadt aus wie Autofahrer:innen mit 560 Euro pro Jahr.

Die Ergebnisse zeigen zudem: Je länger die Fußgänger:innen in der Innenstadt bleiben, desto mehr Geld geben sie aus. Interessant dabei ist, dass die Aufenthaltsdauer mit der wahrgenommenen Aufenthaltsqualität der Orte korreliert. Eine längere Verweildauer wurde beispielsweise am Färberplatz, in der Sporgasse und in der Herrengasse gemessen. In der etwas schlechter bewerteten Annenstraße und auf dem Jakominiplatz hielten sich die Menschen dagegen weniger lange auf.

Weitere Ergebnisse:

  • Für Strecken unter drei Kilometern wird das Auto kaum genutzt; bei Besucher:innen von außerhalb lag der Pkw-Anteil hingegen bei 43 Prozent.

  • Insgesamt erreichten 85 Prozent die Innenstadt öffentlich oder aktiv mobil (zu Fuß bzw. mit dem Rad). Bei gezielten Einkäufen lag dieser Anteil sogar bei 90 Prozent.

  • 80 Prozent der regelmäßigen Besucher:innen (wöchentlich oder öfter) nutzen den öffentlichen Verkehr oder aktive Mobilitätsformen.

 

Zu-Fuß-Gehen – ein wichtiger Beitrag für die Volkswirtschaft

Das Gehen begleitet unseren Alltag überall – das zeigen die zahlreichen Branchen, die direkt oder indirekt davon beeinflusst sind: Sei es der Schuhhersteller, der Bekleidungsgroßhandel oder der Tiefbau mit der Schaffung von Gehwegen.

In einer Studie der Technischen Universität Wien, im Auftrag von klimaaktiv mobil, wurde auch erstmals der Stellenwert Zu-Fuß-Gehens für die Volkswirtschaft in Zahlen gemessen. Der Fokus der Studie liegt auf dem Zu-Fuß-Gehen im Alltag; sportliche Aktivitäten wie Joggen oder Laufen wurden dabei nicht berücksichtigt.

Mit einer Bruttowertschöpfung von 563,7 Mio. Euro liegt der Alltags-Fußverkehr etwa gleichauf mit dem gesamten Online-Handel, der 534,1 Mio. Euro ausmacht. Nimmt man neben dem Gehen auch das Wandern in die Rechnung mit auf, ergibt das sogar eine Bruttowertschöpfung von 3.296,5 Millionen Euro.

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