© BMIMI(BMK)/Stefan Mayerhofer Captif

Fußverkehr zählen und messen

Fußverkehr prägt unseren Alltag, wird aber kaum systematisch erfasst. Ohne Daten bleibt das Potenzial unsichtbar. Moderne Messmethoden zeigen, wie viele Menschen tatsächlich zu Fuß unterwegs sind. 

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Geringe Datenlage zum Fußverkehr

Wenn über Mobilität gesprochen wird, richtet sich der Blick meist zuerst auf Autos, Busse oder Fahrräder. Der Fußverkehr hingegen bleibt oft im Hintergrund – dabei prägt er unseren Alltag stärker, als vielen bewusst ist. Ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder beim Spaziergang: Gehen ist die alltäglichste Form der Fortbewegung. Dennoch ist die Datenlage dazu erstaunlich dünn. Während für den Autoverkehr umfangreiche Erhebungen und Zählungen vorliegen, fehlen beim Fußverkehr häufig wichtige Informationen.

Gut zu wissen: Dem Report Aktive Mobilität 2024 zufolge gehen 92 Prozent der Bevölkerung mehrmals pro Woche zu Fuß, rund 73 Prozent sogar täglich.

Fußgänger:innen verstehen und messen

Der Fußverkehr ist eine Mobilitätsform wie jede andere, weist jedoch Besonderheiten auf, die bei Messungen oft zu kurz kommen: Anders als der Kfz-Verkehr, bleiben Fußgänger:innen auch mal stehen, interagieren mit Ihrer Umgebung und verweilen an einem Ort. Ihnen ist die Attraktivität des öffentlichen Raumes daher meist wichtiger als anderen Nutzergruppen. Während viele Mobilitätsformen primär dem Zweck dienen, von A nach B zu gelangen, hat das Zu-Fuß-Gehen auch einen Erlebnis- und Aufenthaltscharakter. Genau diese Aspekte sollten in Messungen berücksichtigt werden.

Wie kann ich den Fußverkehr messen?

In der Praxis wird häufig dann gemessen, wenn ein Projekt ansteht. Messungen können Trends sichtbar machen, Entwicklungen nachvollziehen oder als Wirkungskontrolle dienen – etwa durch Vorher-Nachher-Vergleiche.

Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung: Sie können beispielsweise einfache Zählungen durchführen – manuell oder automatisiert – oder aber auch das Mobilitätsverhalten durch Trackingmethoden erheben.

Tipp: Messen Sie zu verschiedenen Zeitpunkten.
Zu Stoßzeiten dominiert oft der Kfz-Pendelverkehr. Zu anderen Tageszeiten zeigt sich hingegen, wie viele Menschen tatsächlich verweilen oder den Raum nutzen. Verweilende Fußgänger:innen werden in klassischen Zählungen häufig übersehen – was das Gesamtbild verzerrt. Beachten Sie zudem auch das Wetter und die Saison: In warmen Monaten halten sich Menschen länger im öffentlichen Raum auf.
Bei regelmäßiger Wiederholung, sollten Sie dann allerdings wieder dieselben Zeitpunkte heranziehen, um eine langfristige Vergleichbarkeit herzustellen!

Automatisiert zählen: Kameras und Sensoren

Automatisierte Zählgeräte unterscheiden sich in Datenqualität, Installationsaufwand, Standortanforderungen und Energieversorgung (Netzstrom, Solar, Batterie).

Pyroelektrische Sensoren sind im Vergleich zu anderen Technologien günstiger und kommen daher auch für kleinere Gemeinden gut geeignet. Der Sensor erfasst Wärmeveränderungen in der Umgebung und kann so bewegende Objekte zählen. Das Gerät kann allerdings die Unterschiede zwischen Fußgänger:in und Radfahrer:in nicht erfassen. 

Der Laserscanner erfasst Objektumrisse und kann anhand des Musters die unterschiedlichen Objekte erkennen und zählen.

Optische Kameras zeichnen ein Video auf und speichern die Datei auf eine Speicherkarte. Anschließend kann mit einer Bildanalysesoftware eine Auswertung vorgenommen werden. Datenschutzrechtlich sauberer sind Kamerasysteme mit integrierter Auswertung, denn diese werden die Bilder direkt aus und speichern kein Videomaterial.

Das System verfügt über mehrere Kameras und wird in erhöhter Lage installiert, um einen bestimmten Bereich fortlaufend zu dokumentieren.

Infrarot-Kameras zeichnen Videos im Infrarotspektrum auf und speichern sie auf einer SD-Karte ab. Mithilfe einer Software werden die aufgezeichneten Daten anschließend ausgewertet. 

Smartphones mit aktiviertem Bluetooth oder WLAN werden über ein Gerät erfasst und die Daten werden anonym gespeichert. Die Genauigkeit dieser Zähltechnologie ist begrenzt. In Kombination mit anderen Messgeräten können jedoch Rückschlüsse auf die Wege der Personen gezogen werden. 

Welche Technologie die richtige ist, hängt von Ihrem Interesse und der Messdauer ab. Pestalozzi, Bucheli und Sauter (2022) haben im Rahmen eines Forschungsprojektes eine hilfreiche Tabelle erstellt, die Ihnen die Wahl erleichtert:

Kurz Mittel Lang

Datenbedarf

Spitzenstunde oder Tagesaufkommen

Wochengang

Jahresgang und langfristiges Aufkommen

Interesse

Abschätzung des Fußverkehraufkommens bei linearem Fußverkehr

Verständnis für Verkehrsablauf eines Ortes oder Erfolgskontrolle bei Projekten

Langfristige Entwicklung oder Wirksamkeitsüberprüfung

Technologie

Kamerasysteme (Batterie, Solar), Pyroelektrischer Sensor oder manuelle Zählung

Kamerasysteme (Batterie, Solar), Bluetooth oder WiFi

Kamerasysteme, Laser-Scanner oder Pyroelektrischer Sensor

Tabelle in Orientierung an Pestalozzi, Bucheli und Sauter (2022): Empfehlungen zur Zählung des Fussverkehrs

Gut zu wissen: Daten sind zu Beginn der Messungen oft fehlerhaft und zeichnen zu viel oder zu wenig auf. Planen Sie anfangs genug Zeit für eine regelmäßige Überprüfung und Kalibrierung ein.

Beachten Sie: Die Suche nach dem geeigneten Installationsort braucht Zeit. Die Wahl des Standorts hängt dabei ebenfalls von der Art der Technologie, aber auch von der Energieverfügbarkeit (Batterie, Solar oder Netzstrom). 

Manuell zählen

Manuelle Zählungen sind eine kostengünstige und einfache Methode, insbesondere zur Erhebung von Spitzenstunden. Aufwendige Installationen und Kalibrierungen entfallen, die oft den eigentlichen Nutzen übersteigen. 

Bei einer manuellen Zählung wird die Anzahl der zu Fuß Gehenden erfasst, ebenso wie die Richtung, die sie einschlagen. Bei Zählungen mit Formularen oder einem Tablet können bei Bedarf auch individuelle Merkmale wie Alter oder Geschlecht dokumentiert werden. Um brauchbare Daten zu erheben, sollte pro Zählstelle mindestens eine Stunde lang gezählt werden.

© BMIMI/Österreich zu Fuß

GEHmeinde-Analyse von Österreich zu Fuß

Ergänzen Sie Ihre Zählungen mit einer qualitativen Bewertung des öffentlichen Raumes. Schauen Sie sich zusammen mit den Einwohner:innen die Umgebung im Detail an. 

In der GEHmeinde-Analyse finden Sie Methoden und Anleitungen zu:

  1. Aktivierende Befragung inklusive Vorlage
  2. Luftbild-Analyse
  3. Gemeinsame Begehung
  4. Erhebung mittels GehCheck-App

Erfahren Sie mehr

Kinder laufen mit Schultaschen am Rücken entlang eines breiten Gehweges, beschattet von einer Pergola. Rechts davon Begrünung. © iStock.com/Nanci Santos

Einmaleins des Fußverkehrs

Die wichtigsten Tipps für attraktive Fußwege zusammengefasst.
Frau sitzt im Rollstuhl und schaut auf ihren kleinen Hund hinunter. Sie hat schöne Tattoos auf ihren Beinen, die zu einem Viertel zu sehen sind und trägt eine Brille. © istock.com/feliks szewczyk

Barrierefreie Wege planen und errichten

Barrierefreiheit ist ein Balanceakt - Hier erfahren Sie, worauf Sie achten müssen
zwei junge Männer stehen vor einem Geschäft und schauen in die Auslage © istock.com/SolStock

Wirtschaft und Fußverkehr

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Eine Bim-Haltestelle in Wien am Ring. Einige wartende Fahrgäste warten dort an der Haltestelle. © iStock.com/Jörg Hackemann

Vom Gehweg zum Gleis

Das Geherlebnis entscheidet wie oft und weit wir zu Fuß gehen. Was viele nicht wissen: Es beeinflusst auch die Nutzungshäufigkeit der Öffis.