Nachhaltige Mobilitätslösungen für Veranstaltungen
Nachhaltige Events sind mehr als nur ein Trend. Sie zeigen Verantwortungsbewusstsein. Besonders bei der Mobilität steckt großes Potenzial. Mit einem durchdachten Mobilitätskonzept können Sie als Veranstalter:in nicht nur Ihre Gäste begeistern, sondern zugleich Straßen entlasten und Emissionen verringern. So wird Ihr Event zu einem Erlebnis!
Komfortabel und nachhaltig zur Veranstaltung
Auch Veranstaltungen tragen heute eine besondere Verantwortung: Sie sollen nachhaltig gestaltet werden, sprich ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich. Vor allem im Bereich der Mobilität eröffnen sich große Chancen, um aktiv etwas zu bewirken. Mit konkreten Mobilitätskonzepten lassen sich nicht nur Emissionen in der An- und Abreise der Gäste reduzieren, sondern auch zahlreiche Vorteile erzielen: weniger Verkehr und Staus, mehr Komfort, attraktive öffentliche Verkehrsangebote für die An- und Abreise sowie ein positives Image, das Gäste und möglichen Kooperationspartnerschaften gleichermaßen begeistert. So öffnen Sie Ihre Veranstaltung auch für Menschen, die ohne diese Mobilitätsangebote gar nicht teilnehmen könnten.
So geht's: Von der Ist-Analyse zum Mobilitätskonzept
Zu Beginn der Entwicklung klimafreundlicher Mobilitätsangebote bei Veranstaltungen ist eine systematische Analyse der Rahmenbedingungen und Potenziale ein wichtiger erster Schritt. Die Ist-Analyse unseres Mobilitäts-Checks für Veranstaltungen soll Ihnen dabei helfen, sich einen Überblick über den Status quo der geplanten Veranstaltung zu verschaffen.
Vorab sind folgende Daten zu erheben:
Daten zur Veranstaltung: geplanter Name, Ort, Zeitraum, Dauer
Daten zu den Veranstaltungsgästen: Anzahl, Herkunft, Modal Split (gibt an, wie sich die Anreise prozentual auf verschiedene Verkehrsmittel verteilt)
Bestehendes Mobilitätsangebot
Download: Ist-Analyse und Checkliste
Tipp: Lesen Sie ergänzend Kapitel 5 der Broschüre "Wie wird meine Tourismusdestination nachhaltig mobil? Anleitung für Praktikerinnen und Praktiker". Dort erhalten Sie einen Überblick, wie Sie von einer konkreten Projektidee zur praktischen Umsetzung gelangen.
Machen Sie den Mobilitäts-Check für Veranstaltungen
Unser Mobilitäts-Check für Veranstaltungen zeigt Ihnen, welche Mobilitätsmaßnahmen bei der Organisation von Veranstaltungen umgesetzt werden können. Der Check gliedert sich in fünf Handlungsfelder: An- und Abreise, Mobilität bei Side-Events, Information und Kommunikation, betriebliches Mobilitätsmanagement, Koordination und Kooperation sowie Monitoring.
Tipp: Weitere Inspiration und Good-Practice-Beispiele finden Sie auch in unserer Broschüre "Wie wird meine Tourismusdestination nachhaltig mobil. Anleitung für Praktikerinnen und Praktiker".
An- und Abreise zur Veranstaltung
Die Veranstaltung ist so konzipiert, dass die Gäste ohne Auto anreisen können. Es werden keine zusätzlichen Parkplätze zur Verfügung gestellt. Der Veranstaltungsort ist dementsprechend so ausgewählt, dass er entweder gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist oder bei lokalen oder regionalen Veranstaltungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist.
Um eine Anreise ohne eigenes Auto zu ermöglichen, ist zu prüfen, ob der geplante Veranstaltungsort gut an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Idealerweise ist er innerhalb von 15 Gehminuten von der nächsten Haltestelle aus erreichbar. Sollte dies nicht möglich sein, können vom nächstgelegenen Bahnhof aus barrierefreie Shuttlebusse zum Veranstaltungsort eingerichtet werden.
Die Veranstaltungszeiten sind an die Fahrpläne des öffentlichen Verkehrs angepasst. Ist dies nicht möglich können Maßnahmen wie Sonder- oder Zusatzverkehre außerhalb der normalen Bedienzeiten eingerichtet werden. Hier zahlt sich eine gute Zusammenarbeit mit Verkehrsverbünden, regionalen Verkehrsunternehmen et cetera aus.
Um das Zu-Fuß-Gehen und Fahrradfahren zu fördern, sind eine klare Wegweisung und eine entsprechende Infrastruktur erforderlich. Fußwege sollten ausreichend breit sein und frei von Hindernissen bleiben. Dies gilt ebenso für Radwege. Fehlt ein entsprechendes Angebot, können temporäre Geh- und Radwege eingerichtet werden. Wenn auch das nicht möglich ist, sollte der Weg zum Veranstaltungsort über wenig befahrene Straßen führen.
Ein Fahrradverleih steht am nächstgelegenen Bahnhof, im Ortszentrum, auf einem Sammelparkplatz oder an wichtigen Points of Interest (POIs) zur Verfügung oder wird eigens für die Veranstaltung eingerichtet. Hier bietet sich eine Kooperation mit lokalen Anbietern oder den Verkehrsverbünden an. Die Ausleihe kann entweder im Eintrittsticket inbegriffen sein oder zu einem vergünstigten Tarif erfolgen.
Wenn die Anreise mit dem Fahrrad forciert wird, müssen auch ausreichend Fahrradabstellanlagen zur Verfügung stehen. Im Idealfall sind diese überdacht, bewacht und insbesondere bei Abendveranstaltungen gut beleuchtet. Angesichts des wachsenden Anteils an E-Bikes empfiehlt sich zudem die Ausstattung mit E-Ladestationen. Um bauliche Maßnahmen zu vermeiden, können auch mobile Fahrradabstellanlagen angemietet werden.
Neben Shuttle-, Sonder- oder Zusatzverkehr können auch Kombitickets, bei denen die „Eintrittskarte als Fahrkarte“ gilt, als Anreiz für eine alternative Anreise angeboten werden. In diesen Kombitickets ist die Nutzung des öffentlichen Verkehrs bereits integriert.
Weitere Anreize für die öffentliche Anreise können die Teilnahme an einem Gewinnspiel oder Vergünstigungen beim Radverleih vor Ort sein. Für Radanreisende können ermäßigte Eintrittspreise, Getränkegutscheine oder Essensbons als Anreiz dienen.
Tipp: Sie können besonders punkten, wenn Sie Schließfächer zur Aufbewahrung von persönlichen oder sperrigen Gegenständen (Rucksack, Regenschirm etc.) anbieten oder sogar Umkleide- und Duschmöglichkeiten für mit dem Rad angereiste Gäste bereitstellen.
Wenn eine Anreise zur Veranstaltung ohne Auto nicht möglich ist und zusätzliche Parkplätze benötigt werden, wird auf bestehende Parkanlagen (zum Beispiel an Bahnhöfen, Einkaufszentren oder in Industriegebieten) zurückgegriffen, anstatt Wiesenflächen zu verwenden. Für die Distanz zwischen temporärem Parkplatz und Veranstaltungsort kann beispielsweise ein Shuttle eingerichtet oder Leihfahrräder zur Verfügung gestellt werden. Parkplätze unmittelbar beim Veranstaltungsort stehen ausschließlich Menschen mit Mobilitätseinschränkung oder Shuttlebussen zur Verfügung.
Tipp: Parkplätze können zur Finanzierung von alternativen Anreisemöglichkeiten bewirtschaftet werden.
Hinweis zu Side-Events: Wenn es mehrere Veranstaltungsorte gibt, zwischen denen die Besucher:innen wechseln können, sind in jedem Fall die Punkte aus dem Handlungsfeld „An- und Abreise” zu beachten.
Information und Kommunikation
In allen Kanälen (Print, Homepage, Social Media etc.) wird die klimafreundliche Anreise in den Mittelpunkt der Kommunikation rund um die Veranstaltung gestellt. Dazu wird geeignetes Bild-, Video- und Textmaterial verwendet. Wenn eine Anreise ohne Auto möglich ist, wird ausschließlich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei lokalen und regionalen Veranstaltungen die Anreise mit dem Fahrrad oder zu Fuß beworben. Die Anreise mit dem Pkw wird hingegen nicht aktiv beworben. Es werden keine Informationen zur Anreise mit dem Pkw oder zu kostenfreien Parkplätzen bereitgestellt.
Damit Gäste Ihre Mobilitätsangebote nutzen können, müssen auf der Veranstaltungs-Webseite alle Reise- und Umsteigeinformationen übersichtlich dargestellt werden. Dazu zählen Fahrplanauskünfte, Ticketshops der Verkehrsbetriebe und gegebenenfalls integrierte „Widgets” mit aktuellen Verbindungen. Am Veranstaltungsgelände selbst müssen ebenfalls gut sichtbare Informationen zu den Mobilitätsangeboten sowie ein übersichtlicher Lageplan vorhanden sein.
Digitale Apps und Tools, wie beispielsweise QR-Codes, ein interaktiver Geländeplan oder eine Plattform für Fahrgemeinschaften, können ebenfalls unterstützend eingesetzt werden.
Eine gut sichtbare Beschilderung erleichtert Zu-Fuß-Gehenden und Radfahrenden die Orientierung und leitet sie sicher zum Veranstaltungsort. Die Hinweise können bereits ab dem Bahnhof, dem Ortszentrum, dem Sammelparkplatz oder anderen Points of Interest (POIs) angebracht werden. Neben der Richtung werden dabei auch die Distanz und die ungefähre Gehzeit in Minuten angegeben, um den Gästen eine bessere Einschätzung des Weges zu ermöglichen.
Tipp: Eine Distanz von 400 bis 800 Metern kann gut zu Fuß zurückgelegt werden. Menschen ohne Mobilitätseinschränkungen legen in 9 bis 15 Minuten etwa eine Strecke von einem Kilometer zu Fuß zurück. Für längere Strecken bietet sich das Fahrrad als Alternative an. Mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Stundenkilometern lassen sich 3 bis 5 Kilometer in 10 bis 15 Minuten zurücklegen.
Werden Parkplätze angeboten, so ist auch hier eine klare Beschilderung der offiziell vorhandenen Parkmöglichkeiten ab Zufahrtsstraße (z. B. ab Ortseinfahrt oder Autobahnabfahrt) erforderlich. Personal zur Einweisung und Kontrolle der Zufahrtssperre in Wohngebiete wird bereitgestellt.
Mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Events können Organisator:innen ihren Kund:innen nun die Möglichkeit bieten, ihre Einstellung auch nach außen hin sichtbar zu machen, indem sie sich für eine umweltfreundliche Veranstaltungsorganisation in Form eines Green Events entscheiden.
Mehr Informationen: Umweltzeichen
Betriebliches Mobilitätsmanagement
Als Veranstaltungsorganisation übernehmen Sie Verantwortung und gehen mit gutem Beispiel voran. Um die eigenen CO₂-Emissionen zu reduzieren, setzen Sie ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge ein bzw. arbeiten nur mit Partner:innen zusammen, deren Fuhrpark ebenfalls emissionsfrei ist.
Tipp: Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) stellt Mittel für die Förderung der Elektromobiltiät zur Verfügung. Betriebe, Gebietskörperschaften und Vereine werden beim Umstieg auf E-Mopeds, E-Motorräder und der Errichtung von Ladeinfrastruktur unterstützt. Mehr Infos im Leitfdaden "E-Mobilität für Betriebe, Gebietskörperschaften und Vereine 2025".
Damit nicht nur die Gäste, sondern auch die eigenen Mitarbeitenden klimafreundlich zur Veranstaltung beziehungsweise zum Arbeitsort anreisen können, werden entsprechende Maßnahmen umgesetzt wie zum Beispiel Mobilitätskarten für die Mitarbeitenden. Ebenso kann für die gemeinsame An- und Abreise zum Veranstaltungsort ein Betriebsshuttle oder Fahrgemeinschaften eingerichtet werden.
Koordination und Kooperation
Für eine effiziente und koordinierte Umsetzung nachhaltiger Mobilitätsmaßnahmen bei Veranstaltungen wird eine Mobilitätsbeauftragte oder ein Mobilitätsbeauftragter ernannt. Diese Person ist verantwortlich für die Planung, Koordination und Kommunikation aller Mobilitätsangebote sowie die Abstimmung mit Partner:innen und Dienstleister:innen. Durch eine zentrale Ansprechperson wird sichergestellt, dass Maßnahmen zur Förderung klimafreundlicher Mobilität konsequent umgesetzt werden können.
Für eine erfolgreiche Umsetzung der geplanten Maßnahmen werden Kooperationen mit regionalen Partner:innen wie Verkehrsverbünden, Mobilitäts- und Verleihanbieter:innen sowie mit der Verwaltung (Gemeinde, Polizei) angestrebt.
Tipp: Um bei kurzfristigen Programmänderungen (z. B. durch Zugaben bedingte Verlängerungen) und Engpässen nach Veranstaltungsende einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, sollten Sie sicherstellen, dass Sie am Tag des Events eine direkte Ansprechperson bei den kooperierenden Verkehrsunternehmen (z. B. Verkehrsverbund, ÖBB) haben.
Die lokale Bevölkerung wird frühzeitig einbezogen und über die bevorstehende Veranstaltung sowie die geplanten Verkehrsmaßnahmen (z.B. Straßensperren, Zufahrtsbeschränkungen) informiert, um Transparenz und Akzeptanz zu gewährleisten.
klimaaktiv mobil ist eine Initiative des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Das Programm fördert umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Mobilität, forciert den Rad- und Fußverkehr und innovative öffentliche Verkehrsangebote.
Das Beratungsprogramm „Mobilitätsmanagement für Tourismus und Freizeit” von klimaaktiv mobil unterstützt Sie gerne bei Ihren Mobilitätsprojekten. Nehmen Sie noch heute Kontakt auf!
klimaaktiv mobil - Mobilitätsmanagement für Tourismus und Freizeit
Monitoring
Mithilfe von Umfragen, Mobilitäts-Tracking, Ticketdaten oder spezielen Apps und Tools werden Daten zum Anreiseverhalten erhoben. Diese Daten können anschließend mit den Planungsinformationen verglichen werden. Aus den Abweichungen von Planungs- und Ist-Daten können Optimierungspotenziale für zukünftige Veranstaltungen abgeleitet werden.
Vor Ort erfolgt eine laufende Beobachtung der Verkehrsströme, etwa durch Verkehrszählungen oder Parkraumerhebungen. Probleme oder Engpässe, wie Verspätungen, Überlastungen oder Spitzenzeiten, werden systematisch erfasst. Diese Daten können auch wichtige Erkenntnisse für zukünftige Veranstaltungen geben.