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Zahlen, Daten, Fakten im Überblick

Wie bewegen sich Kinder und Jugendliche fort?

Kinder und Jugendliche bewegen sich anders als Erwachsene. Ihre Orientierungsfähigkeiten entwickeln sich noch, ihr Bewegungsradius ist meist kleiner und ihre Mobilitätsbedürfnisse unterscheiden sich deutlich. In diesem Beitrag fassen wir die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu kompakt zusammen und zeigen, worauf es bei kindgerechter Mobilität ankommt.

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Bewegung und Gesundheit: Das sollten Sie wissen

WHO-Empfehlung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern und Jugendlichen 60 Minuten Bewegung mittlerer bis hoher Intensität pro Tag.

Bewegungsmangel

In Österreich erfüllen 29 % der Jungen und 15 % der Mädchen im Alter von 11 bis 17 Jahren die Bewegungsempfehlungen der WHO.

Physische Gesundheit

Regelmäßige Bewegung beugt Adipositas vor und verringert somit das Risiko, im Erwachsenenalter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken oder orthopädische Probleme zu entwickeln.

Psychische Gesundheit

Aktive Mobilität wirkt sich positiv auf das psychische Wohlbefinden aus, besonders zielloses Gehen und Radfahren, wie eine Studie bestätigt.

Wie bewegen sich Kinder und Jugendliche heute durch Österreich? Ein aktuelles Factsheet des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) fasst die wichtigsten Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten der Drei- bis 18-Jährigen zusammen. Dabei wird deutlich: Auf dem Schulweg dominieren öffentliche Verkehrsmittel, während in der Freizeit das Auto als Mitfahrgelegenheit eine große Rolle spielt.

Hinweis: Factsheet „Kinder- und Jugendmobilität Österreich” steht in Kürze zum Download zur Verfügung.

Am Schulweg dominiert der öffentliche Verkehr

Auf dem Schulweg wird der Großteil des Weges mit Verkehrsmitteln des Umweltverbunds zurückgelegt. Vor allem der öffentliche Verkehr ist für Kinder und Jugendliche in Österreich von zentraler Bedeutung.

aut „Österreich unterwegs“ erfolgt in der Altersklasse 6 bis 14 Jahre 45 % der Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 27 % zu Fuß und 6 % mit dem Fahrrad. Damit werden über drei Viertel aller Schulwege nachhaltig zurückgelegt. Dennoch spielt auch der Pkw eine bedeutende Rolle: Rund 21 % der Wege werden als Pkw-Mitfahrende zurückgelegt. © AEA
Quelle: Österreich unterwegs 2013/14, Anhang C, Teil 3; eigene Darstellung

Laut „Österreich unterwegs“ erfolgt in der Altersklasse 6 bis 14 Jahre 45 % der Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 27 % zu Fuß und 6 % mit dem Fahrrad. Damit werden über drei Viertel aller Schulwege nachhaltig zurückgelegt. Dennoch spielt auch der Pkw eine bedeutende Rolle: Rund 21 % der Wege werden als Pkw-Mitfahrende zurückgelegt.

In der Altersklasse der 15- bis 19-Jährigen gewinnt der öffentliche Verkehr weiter an Relevanz: 68 % fahren mit Bus oder Bahn zur Bildungseinrichtung, 10% gehen zu Fuß und 20% fahren mit dem Auto – lenkend oder mitfahrend. © AEA
Quelle: Österreich unterwegs 2013/14, Anhang C, Teil 3; eigene Darstellung

In der Altersklasse der 15- bis 19-Jährigen gewinnt der öffentliche Verkehr weiter an Relevanz: 68 % fahren mit Bus oder Bahn zur Bildungseinrichtung, 10% gehen zu Fuß und 20% fahren mit dem Auto – lenkend oder mitfahrend. 

Bewegungsradius sinkt: Kinder häufig in Begleitung unterwegs

Mit zunehmendem Alter werden die Wege von Kindern und Jugendlichen länger. Dadurch erweitert sich grundsätzlich auch ihr Bewegungsradius (auch „Aktionsradius“), also jener Raum, in dem sie sich eigenständig ohne Begleitung bewegen können. Für Kinder ist die selbstständige Mobilität eine wichtige Voraussetzung für soziale Kontakte und Teilhabe am öffentlichen Leben (VCÖ 2021).

Eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass die selbstständige Mobilität von Kindern zurückgeht. So sank beispielsweise der Anteil der Kinder, die allein zur Schule gehen, zwischen 1990 und 2010 deutlich: in Deutschland von 93 % auf 76 %, in England von 35 % auf 25 % und in Finnland von 85 % auf 65 %.

Für Österreich liegen keine langfristigen Untersuchungen zum Bewegungsradius von Kindern vor. Der „Report: Aktive Mobilität 2026” zeigt jedoch, dass viele Volksschulkinder regelmäßig am Schulweg begleitet werden. Dafür wurden Personen mit Kindern unter 16 Jahren befragt, wie ihre Kinder den Weg zur Bildungseinrichtung zurücklegen – alleine oder in Begleitung. Rund 35 % legen den Weg alleine zurück, weitere 42 % kommen in Begleitung eines Erwachsenen zur Schule oder Kindergarten. Ab einem Alter von 11 Jahren, also rund um den Wechsel in die Sekundarstufe, legen die meisten Kinder den Weg alleine zurück.

© BMIMI/Erdgeschoss

Warum nimmt die selbstständige Mobilität ab?

  • größere Entfernungen zwischen Wohnort, Schule und Freizeitangeboten (Zersiedelung)

  • zunehmende Motorisierung und höheres Verkehrsaufkommen

  • zunehmende organisierte und dicht getaktete Freizeitaktivitäten der Kinder

  • Sicherheitsbedenken der Eltern

Warum der selbstständig zurückgelegte Schulweg wichtig ist

Selbstständige und aktive Mobilität bringt zahlreiche Vorteile mit sich: Kinder bewegen sich mehr, entwickeln Orientierungssinn und Selbstvertrauen, lernen Verantwortung zu übernehmen und stärken ihre sozialen Kompetenzen. Regelmäßige Bewegung sowie eigenständige Wege im Alltag fördern zudem Gesundheit, Fitness und Konzentrationsfähigkeit.

Ob Kinder sicher und selbstständig unterwegs sein können, entscheidet sich jedoch oft direkt vor der eigenen Haustür. Gemeinden und Bildungseinrichtungen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie gestalten den öffentlichen Raum und schaffen die Rahmenbedingungen und Infrastrukturen, die aktive Mobilität ermöglichen und erleichtern.

Sicherheit auf dem Schulweg

Die Statistik Austria erhebt jährlich die Unfallzahlen von Kindern und Jugendlichen insgesamt und auf dem Schulweg. Im Jahr 2025 wurden österreichweit 537 Schulwegunfälle bei den 6- bis 15-Jährigen registriert. Dabei wurden 577 Kinder und Jugendliche verletzt, ein Kind kam ums Leben. Die meisten Verunglückten waren zu Fuß (184 Personen) oder mit dem Fahrrad (94 Personen) unterwegs. 86 Personen waren mit dem Moped und 76 Personen mit dem E-Scooter unterwegs. Weitere 42 Kinder verletzten sich als Mitfahrende im Pkw, 46 im Bus. Buben waren dabei häufiger in einen Unfall verwickelt als Mädchen: 355 der verletzten oder getöteten Kinder waren männlich, 223 weiblich.

Der Großteil der Unfälle passiert allerdings nicht auf dem Schulweg, sondern auf dem Freizeitweg. Eine Analyse des KFV für die Jahre 2018 bis 2020 hat ergeben, dass durchschnittlich 13 % der 6- bis 15-jährigen Kinder auf dem Schulweg verunglücken, aber 87 % auf dem Freizeitweg.

Um die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr weiter zu erhöhen, sind Verkehrsberuhigungsmaßnahmen besonders effektiv. Jüngere Kinder erleben den Verkehr völlig anders als Erwachsene: Sie können Entfernungen, Geräusche und Geschwindigkeiten noch nicht zuverlässig einschätzen. Ihr Risikobewusstsein ist geringer, sodass sie nicht immer bemerken, dass andere sie nicht sehen, auch wenn sie selbst alles gut wahrnehmen. Geringere Geschwindigkeiten geben Kindern und Verkehrsteilnehmenden mehr Zeit zu reagieren und die Umgebung wahrzunehmen. 

Mehr dazu: Verkehrsberuhigung

Gut zu wissen: Der Anhalteweg halbiert sich bei einer Temporeduktion von 50 auf 30 km/h (KFV).

Wie Kinder und Jugendliche den öffentlichen Raum wahrnehmen

Im Rahmen der Umfrage „Monitor Fußverkehr 2024“ in Deutschland wurden Kinder unter 14 Jahren befragt, was ihnen am Zu-Fuß-Gehen gefällt und was sie dabei als störend empfinden. Die Ergebnisse zeigen, dass soziale Kontakte und eine angenehme Umgebung für Kinder besonders wichtig sind.

Am besten gefällt ihnen am Gehen der soziale Aspekt: Für rund 70 % ist die Möglichkeit „Freunde zu treffen“ die beste Eigenschaft am Zu-Fuß-Gehen. Für die jüngeren Kinder zwischen 6 und 7 Jahren sind zudem Spielmöglichkeiten wichtig (70 %), ältere Kinder zwischen 10 und 13 Jahren nennen auch „frische Luft“ relativ häufig (60 %).

Die Kinder haben auch angegeben, was sie am Zu-Fuß-Gehen stört.

Die fünf häufigsten Störfaktoren sind:

  • Nass werden – 56 %
  • Hundehaufen – 43 %
  • Dauert so lange – 39 %
  • Zu viel Verkehr – 39 %
  • Zu viel Dreck auf den Wegen – 37%
  • Weiters wurde Hitze bzw. Kälte, „Es ist anstrengend“, „Es ist langweilig“ sowie Baustellen und kaputte Wege häufig genannt.

Was lässt sich daraus ableiten? Kinder reagieren sensibel auf ihre Umgebung. Um sich beim Zu-Fuß-Gehen wohlzufühlen, benötigen sie eine saubere und verkehrsberuhigte Umgebung. Gleichzeitig schätzen sie die Gemeinschaft und die Möglichkeit, auf dem Fußweg mit Freund:innen zu plaudern. Ein spielerisch gestalteter und abwechslungsreicher Weg bringt bei Kindern besondere Pluspunkte.

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Schulwege kindergerecht gestalten

Bund, Länder und Gemeinden können gemeinsam mit Bildungseinrichtungen einen sicheren Schulweg fördern und so aktive und selbstständige Mobilität ermöglichen. Durch einen Mix aus Maßnahmen wie Verkehrsberuhigung, Erweiterung der Infrastruktur und sensibilisierender Kommunikation können Kinder den Weg zur Schule sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

Mehr erfahren: Mobilitätsmanagement an Bildungseinrichtungen 
 

Drei Kinder mit Schultasche gehen über den Schulvorplatz, im Hintergrund wartende Eltern und eine Gebäudewand © BMIMI/Luiza Puiu

Mobilitätsmanagement an Schulen und Kindergärten

Jeder Weg bietet eine Chance: für Bewegung, Selbstständigkeit und klimafreundliches Verhalten. Starten Sie ein Mobilitätsmanagement an Ihrer Bildungseinrichtung.
Schild Schulstraße mit genauen Zeitangaben, dahinter Schulgebäude und Straße © AEA/Olivia Halwachs

Schulstraße und Verkehrsberuhigung

Sicherheit und Verkehrsberuhigung gehen Hand in Hand. Wir zeigen Ihnen verschiedene Möglichkeiten auf.
Kinder mit Schultasche gehen auf die Kamera zu - im Hintergrund ein Baum © stock.adobe.com/Louis-Paul Photo

Umfeld-Analyse

Wie kinderfreundlich ist Ihr Schulumfeld oder die Umgebung des Kindergartens? Finden Sie es raus.
Mehrere Kinder balancieren auf einem Balken im Freien © adobe.stock.com/Robert Kneschke

Mobilitätserhebung

Erheben Sie das Mobilitätsverhalten von Kindern, Eltern und Pädagog:innen