Internationaler Fortschritt: UN-Dekade für nachhaltige Mobilität
Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt der nachhaltigen Mobilität von 2026 bis 2035 ausgerufen! Klare Indikatoren bilden einen gemeinsamen Maßstab für Fortschritte in den Bereichen Forschung, Planung und Finanzierung. Und auch auf EU-Ebene setzt man vermehrt auf Aktive Mobilität
Die UN-Dekade als Hebel für nachhaltige Mobilität
Die Vereinten Nationen haben die Dekade für nachhaltige Mobilität 2026 bis 2035 ausgerufen. Mit der am 15. Dezember 2025 verabschiedeten Resolution will die UN das Bewusstsein dafür stärken, wie entscheidend Mobilität für das Erreichen der Sustainable Development Goals (SDGs) ist. Die Dekade schafft internationale Sichtbarkeit, bündelt Programme und erleichtert Ländern den Zugang zu Finanzierungen
Im Zentrum steht die globale Partnerschaft „Sustainable Mobility for All“ (SuM4All). Sie vereint über 50 Organisationen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Entwicklungsbanken und UN‑Einrichtungen. Ihr gemeinsames Ziel: ein Mobilitätssystem, das Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung, Sicherheit und Gesundheit gleichzeitig stärkt.
15 Indikatoren machen Entscheidungen leichter
Weltweit erheben Akteur:innen bereits viele Verkehrsdaten, jedoch oft getrennt voneinander, nach unterschiedlichen Standards und mit variierender Qualität. Das erschwert vergleichbare Analysen und somit evidenzbasierte Entscheidungen. Oft liegt der Fokus auf der Infrastruktur, dabei ist für eine wirksame Planung vor allem der tatsächliche Zugang der Menschen zu Mobilitätsangeboten entscheidend.
Ein Beispiel: Die Länge des Straßennetzes sagt wenig darüber aus, ob Menschen zuverlässig mobil sein können. Aussagekräftiger ist der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu einer ganzjährig befahrbaren Straße. Erst solche Kennzahlen zeigen, ob eine Mobilitätsmaßnahme wirklich funktioniert.
Die Indikatoren im Überblick
SuM4All hat einen weltweit nutzbaren Rahmen mit 15 klar definierten Indikatoren entwickelt. Sie decken acht zentrale Dimensionen nachhaltiger Mobilität ab und schaffen eine gemeinsame Sprache für Planung, Finanzierung und Bewertung von Maßnahmen.
- Anteil der städtischen Bevölkerung mit einer Haltestelle des öffentlichen Verkehrs innerhalb von 500 m (Bus, Straßenbahn) oder 1.000 m (Bahn, Fähre)
- Anteil der ländlichen Bevölkerung mit einer ganzjährig befahrbaren Straße innerhalb von 2 km
- Anteil der Mobilitätsausgaben am Haushaltseinkommen
- Pünktlichkeit internationaler Lieferungen und Pakete: Skala von 1 = niedrig bis 5 = hoch
- Energieintensität von Personenverkehr: Megajoule pro Personenkilometer
- Energieintensität von Güterverkehr: Megajoule pro Tonnenkilometer
Anzahl der Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner:innen und Jahr
- Verkehrsbedingte CO₂‑Emissionen pro Kopf
- Anteil von E-Autos am Bestand
- Anteil von E-Bussen am Bestand
Anzahl der Ausfalltage in Häfenanlagen pro Jahr durch klimabedingte Gefahren
Anteil von Frauen an Beschäftigten im Mobilitätssektor
- Anteil an Mitteln der Klimafinanzierung, die für Mobilität vorgesehen ist
- Ausgaben der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit für Mobilität
Anzahl der Beschäftigten im gesamten Mobilitätssektor
Nachhaltige Mobilität steigert wirtschaftliche Effizienz
Um die Umsetzung nachhaltiger Mobilität voranzutreiben, legt SuM4All einen besonderen Fokus auf die wirtschaftliche Dimension. Staus kosten Metropolen weltweit jedes Jahr 2 bis 4 Prozent ihres BIP. Hinzu kommen hohe Gesundheitskosten durch Verkehrsunfälle und Luftschadstoffe. Jede wirksame Maßnahme für nachhaltige Mobilität senkt diese Belastungen und steigert gleichzeitig die Attraktivität des Standorts.
Die Initiative beziffert auch den globalen Finanzierungsbedarf für die kommenden zehn Jahre: 28,8 bis 32 Billionen Euro, abhängig vom jeweiligen Klimaszenario (4‑Grad‑ oder 2‑Grad‑Pfad). Zum Vergleich: Derzeit fließen jährlich 1,2 bis 1,8 Billionen Euro in entsprechende Investitionen.
Empfehlungen, um notwendige Investitionen zu erreichen:
- Festlegung klarer Policy- und Investment-Ziele
- Nutzung vielfältiger Finanzierungswege
- Stärkung der institutionellen Kapazitäten
- Entwicklung einheitlicher Klassifizierungssysteme für nachhaltige Mobilität
Investitionen in Radverkehr wirken schnell im Alltag
Auch auf EU-Ebene wird die Aktive Mobilität gestärkt. Mit der Europäischen Erklärung zum Radverkehr, die 2024 verabschiedet wurde, erkennt die EU die zentrale Rolle des Radverkehrs in der Mobilitätswende an. Zentrale Leitlinien sind:
- durchgängige, sichere Radnetze in Städten,
- starke Verknüpfung mit öffentlichem Verkehr,
- sichere Abstellanlagen und Ladepunkte für E‑Bikes,
- Radschnellverbindungen zwischen Städten und Umland.
Die EU investiert im Rahmen der Kohäsionspolitik von 2021–2027 4,5 Mrd. Euro in Radinfrastruktur. In Italien werden damit über 20.000 km an Radinfrastruktur gebaut, in Polen 11.000 km und in Frankreich 8.000 km. Auch in Ungarn, Rumänien, Tschechien, Portugal und Griechenland sind zwischen 3.000 bis 5.000 km an Radwegen geplant. Österreich profitiert davon durch den Ausbau des EuroVelo 13-Radwegs in der Grenzregion von Österreich und Tschechien.
Es geht voran
Die UN‑Dekade für nachhaltige Mobilität macht Fortschritte sichtbar und beschleunigt die Umsetzung Der Indikatorenrahmen ermöglicht messbare Wirkung und priorisiert Investitionen. Damit beschleunigen Institutionen die Umsetzung und erhöhen gleichzeitig Effizienz, Sicherheit und Klimanutzen. Mit dem Bekenntnis zum Radverkehr auf EU-Ebene werden Fördermittel für Aktive Mobilität eingesetzt und Verbesserungen im Alltag direkt spürbar.