Radverkehrsstrategien in Europa: Fünfter ECF-Bericht
Europa kommt beim Ausbau nationaler Radverkehrsstrategien nur langsam voran. Estland setzt 2025 als einziges Land einen neuen Impuls.
Zielsetzung bis 2030 im Rahmen des Pan-Europäischen Masterplans
Im Mai 2021 haben sich 56 Staaten im Rahmen des Pan-Europäischen Masterplans zur Förderung des Radverkehrs verpflichtet, bis spätestens 2030 eine nationale Fahrradstrategie zu implementieren. Die Europäische Kommission unterstützt dieses Vorhaben und hat 2024 mit der Europäischen Radfahrdeklaration ein deutliches Signal gesetzt, den Radverkehr stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Darin wurden acht Leitprinzipien sowie 36 konkrete Maßnahmen definiert, die den Nationalstaaten zugutekommt.
Die European Cyclists’ Federation (ECF) veröffentlicht dazu jedes Jahr einen Bericht über den aktuellen Stand der Implementierung und Entwicklung nationaler Fahrradstrategien.
Langsame Entwicklung: Estland legt als einziges Land nach
Der fünfte Bericht der ECF zeigt, dass die Entwicklung nationaler Radverkehrsstrategien nur langsam vorankommt. Lediglich Estland hat im Jahr 2025 eine nationale Fahrradstrategie verabschiedet – im vorhergehenden Jahr war Litauen das einzige Land. In Belgien, Dänemark und England wird derzeit an der Entwicklung neuer, aktualisierter Strategien für den Radverkehr gearbeitet. Malta und Slowenien sind dabei, einen ersten nationalen politischen Rahmen zu entwickeln, während die Ukraine sich fest dazu verpflichtet hat, dies zu tun.
Aktueller Stand
Insgesamt 14 Länder verfügen über eine nationale Fahrradstrategie.
Fünf weitere Länder haben eine Strategie, die einer nationalen Fahrradstrategie ähnelt.
Acht Länder hatten früher eine nationale Fahrradstrategie, die jedoch ausgelaufen ist und aktualisiert werden muss.
In drei Ländern befindet sich eine erste nationale Fahrradstrategie in der Entwicklung.
In 24 Ländern trifft nichts von dem oben Genannten zu.
Estlands erste nationale Radverkehrsstrategie
Im Jahr 2025 hat Estland die erste nationale Radverkehrsstrategie verabschiedet. Der auf die Jahre 2025 bis 2029 ausgelegte Plan beschreibt acht Handlungsfelder. Dafür sind 97 Millionen Euro für vier Jahre vorgesehen. Die Investitionen werden damit begründet, dass jeder in die Infrastruktur für Aktive Mobilität investierte Euro der estnischen Gesellschaft einen Nutzen von etwa 4 bis 8 Euro bringen würde.
Österreichs Masterplan Radfahren
Nationale Radverkehrsstrategien dienen als langfristige politische Leitlinien. Sie formulieren Visionen, Ziele und Maßnahmen, um das Radfahren attraktiver zu gestalten. Typische Inhalte sind der Ausbau der Infrastruktur, Anpassungen im Verkehrsrecht zur Erhöhung der Sicherheit, die Förderung der Kombination verschiedener Verkehrsmittel, Bewusstseinsbildung sowie technische Weiterentwicklungen.
Österreich hat mit dem Masterplan Radfahren ein Strategiepapier entwickelt, das den Radverkehr in Österreich langfristig stärken soll.
Der Masterplan wurde 2025 evaluiert und aktualisiert: Weiterlesen