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Mobilität in Deutschland 2023: Ergebnisse für den Rad- und Fußverkehr

Wie bewegen sich die Menschen in Deutschland – und was hat sich seit der letzten Erhebung verändert? Die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage „Mobilität in Deutschland“ (MiD), die im November 2025 veröffentlicht wurden, zeigen einen Zuwachs an zurückgelegten Fuß- und Radkilometern.

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Wie wird gemessen?

Die vierte Auflage der Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) wurde im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Verkehr durchgeführt. Zwischen April 2023 und Juli 2024 nahmen insgesamt 420.979 Personen an einer mehrstufigen Stichtagserhebung teil. Sie dokumentierten rund 1,09 Millionen alltägliche Wege und gaben Auskunft über die Wahl der Verkehrsmittel, den Zweck der Wege und weitere Aspekte. Ergänzend wurden 67.231 Tagesreisen sowie 69.788 Reisen mit Übernachtung erfasst. Damit zeichnet die Studie ein umfassendes Bild des Mobilitätsverhaltens in Deutschland.  

Sinkendes Verkehrsaufkommen

Obwohl die Bevölkerung wächst, verzeichnet die aktuelle MiD-Erhebung einen leichten Rückgang des täglichen Verkehrsaufkommens. So sank die Zahl der zurückgelegten Wege von 257 Millionen auf rund 250 Millionen. Auch das Gesamtvolumen der Personenkilometer hat abgenommen: Statt 3,2 Milliarden werden nun täglich etwa 3 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Damit bewegen sich die Werte wieder auf dem Niveau der Erhebung von 2008.

Hinweis: Zwischen den beiden jüngsten MiD-Erhebungen lag die Corona-Pandemie, die insbesondere den öffentlichen Verkehr zeitweise stark beeinträchtigte. Da in dieser Phase jedoch keine MiD-Messungen stattfanden, ist eine Aussage über den tatsächlichen Einfluss nicht möglich.

Während 2008 noch 90 Prozent und 2017 rund 85 Prozent der Bevölkerung an einem durchschnittlichen Tag unterwegs waren, lag der Wert 2023 nur noch bei 82 Prozent. Das heißt, es wird insgesamt seltener das Haus verlassen. Besonders Personen aus Haushalten mit höherem Einkommen sind weniger oft unterwegs als noch in den Vorjahren. Zudem wird der Rückgang vor allem in den Städten deutlich. In ländlichen Räumen bleibt das Verkehrsaufkommen hingegen unverändert. 

Modal-Split: Mehr Wege zu Fuß und per Rad, sinkende Pkw-Nutzung

Der Modal Split verschiebt sich: Der Anteil der mit dem Pkw zurückgelegten Wege ist rückläufig, während Fuß- und Radverkehr weiter an Bedeutung gewinnen. Besonders in Städten steigt die Beliebtheit des Fahrrads, das inzwischen einen Anteil von elf Prozent erreicht. Bei der Erhebung der geradelten Personenkilometer zeigt sich im Vergleich zum Jahr 2002 eine beinahe Verdopplung

Auch der Fußverkehr legt zu, und das sowohl in urbanen als auch in ländlichen Räumen. Der Weganteil des Zu-Fuß-Gehens liegt inzwischen bei 26 Prozent, die zurückgelegten Personenkilometer sind von drei auf vier Prozent gestiegen. Dabei geht eine höhere Siedlungsdichte mit einem höheren Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege einher

Zudem ist erstmals ein Rückgang der Pkw-Nutzung zu verzeichnen: Rund 40 Prozent aller Wege (2017: 43 Prozent) entfallen auf den Pkw und 13 Prozent auf Pkw-Mitfahrende. Die Anzahl der mit dem Auto zurückgelegten Personenkilometer ist von 55 auf 54 Prozent gesunken. Der öffentliche Verkehr hält sein Niveau mit elf Prozent stabil.

Gut zu wissen: Der Modal Split gibt den prozentualen Anteil der verschiedenen Verkehrsmittel am gesamten Verkehrsaufkommen an. In der Studie wurde sowohl der Anteil der Wege als auch der Anteil der Personenkilometer pro Verkehrsmittel ermittelt.

Trend zum E-Bike

Rund 76 Prozent der Haushalte verfügen über mindestens ein fahrbereites Fahrrad und in 21 Prozent steht inzwischen ein E‑Bike (2017: acht Prozent). Besonders für den Arbeitsweg ist das E-Bike besonders beliebt, denn knapp ein Viertel aller Pendelwege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, werden heute mit dem E‑Bike gefahren.

Wer an einem Tag mit dem Rad unterwegs ist, legt mit einem konventionellen Fahrrad durchschnittlich neun Kilometer zurück, mit dem E‑Bike dagegen rund 14 Kilometer. Das macht den elektrischen Antrieb gerade für längere oder tägliche Strecken besonders attraktiv.

Altersgruppe konventionelles Fahrrad E-Bike

0-9 Jahre

13%

4%

10-19 Jahre

17%

1%

20-29 Jahre

10%

2%

30-39 Jahre

11%

3%

40-49 Jahre

11%

4%

50-59 Jahre

11%

4%

60-69 Jahre

9%

5%

70-79 Jahre

6%

4%

80 Jahre und älter

4%

2%

Gesamt

10%

3%

Auffällig ist zudem der Wandel in der Struktur der Personengruppen. E‑Bikes werden längst nicht mehr nur von der Gruppe der Senior:innen genutzt. Elektrofahrräder entwickeln sich immer mehr zu einer breit akzeptierten und generationenübergreifenden Mobilitätsoption. 

Altersgruppe konventionelles Fahrrad E-Bike

0-9 Jahre

4%

7%

10-19 Jahre

7%

12%

20-29 Jahre

11%

13%

30-39 Jahre

11%

13%

40-49 Jahre

11%

15%

50-59 Jahre

12%

16%

60-69 Jahre

11%

17%

70-79 Jahre

10%

18%

80 Jahre und älter

7%

12%

Gesamt

9%

14%

Längere Fußwege, weniger Fußgänger:innen

Die Länge der Fußwege hat im Zeitverlauf deutlich zugenommen. Lag die durchschnittliche Strecke im Jahr 2002 noch bei 1,3 Kilometern, sind es 2023 bereits 1,7 Kilometer. Auch die tägliche Gesamtstrecke wächst: Mobile Personen, die mindestens einen Fußweg zurücklegen, kommen heute auf rund vier Kilometer pro Tag, gegenüber etwa drei Kilometern im Jahr 2002. 

Gleichzeitig sinkt der Anteil der Menschen, die am Stichtag überhaupt zu Fuß unterwegs waren – vor allem, weil insgesamt weniger Personen das Haus verlassen haben. Betrachtet man jedoch nur mobile Personen, bleibt der Anteil derjenigen, die mindestens einen Fußweg zurücklegen, mit 40 Prozent unverändert. Es gehen daher nicht mehr Personen zu Fuß, sondern jene die gehen, legen längere Wege zurück als noch in den Vorjahren.

Gut zu wissen: Mobilitätseinschränkungen wie Geh- und Sehbehinderungen betreffen nach eigener Angabe jede siebte Person.

2002 2008 2017 2023

durchschnittliche Wegelänge (km)

1,3

1,4

1,5

1,7

Tagesstrecke zu Fuß mobiler Personen mit Fußweg (km)

3,1

3,2

3,6

4

Fußwege mobiler Personen mit Fußweg (Anzahl)

2,3

2,2

2,1

2,3

Wege zu Fuß (Mio. pro Tag)

64

69

56

65

Personenkilomter zu Fuß (Mio. pro Tag)

88

98

93

113

Anteil mit Fußweg am Stichtag (%)

34

38

32

32

Anteil mobiler Personen mit Fußweg am Stichtag (%)

40

43

37

40

Besonderheiten zeigen sich vor allem bei den Faktoren Geschlecht und Erwerbstätigkeit. So waren am Stichtag überdurchschnittlich viele Frauen zu Fuß unterwegs, während Erwerbstätige insgesamt seltener einen Fußweg zurückgelegt haben. Gleichzeitig deutet sich ein neuer Zusammenhang an: Wer die Möglichkeit hat, im Homeoffice zu arbeiten, zählt deutlich häufiger zur Gruppe der Fußgänger:innen.

Trend zu SUVs und hoher Flächenverbrauch

Der Trend zu größeren Fahrzeugen setzt sich fort – und mit ihm der steigende Platzbedarf. In deutschen Haushalten kommen inzwischen durchschnittlich 1,2 Autos auf einen Haushalt. Außerhalb der Städte besitzen über 90 Prozent der Haushalte mindestens ein Fahrzeug, in den Metropolen sind es rund 40 Prozent. Gleichzeitig bleibt der Anteil autofreier Haushalte nahezu stabil: Bundesweit waren es 2023 in Deutschland 20 Prozent, 2017 waren es 22 Prozent.

Innerhalb des Pkw-Bestands gewinnen SUVs, Geländewagen und Vans weiter an Bedeutung. Ihr Anteil liegt heute bei über einem Fünftel. Mit der wachsenden und zugleich größer werdenden Fahrzeugflotte steigt auch der Druck auf den öffentlichen Raum. Im Jahr 2017 wurden rund 8 Millionen der damals 43 Millionen privaten Pkw im öffentlichen Straßenraum abgestellt, 2023 sind es bereits etwa 10 Millionen von nun 46 Millionen Fahrzeugen. Der Flächenbedarf ist damit innerhalb von sechs Jahren um mehr als ein Fünftel gestiegen.

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