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Europäische Charta für Straßenverkehrssicherheit: Österreich setzt wichtige Impulse

„Vision Zero“ – keine Verkehrstote bis 2050: Die Europäische Charta für Straßenverkehrssicherheit vereint über 4.000 Organisationen für mehr Sicherheit auf Europas Straßen. Österreich setzt mit innovativen Projekten ein starkes Zeichen für eine sichere und nachhaltige Mobilität. Organisationen und Privatpersonen sind aufgerufen, sich zu beteiligen.

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Gemeinsamer Einsatz für „Vision Zero“: möglichst keine Verkehrstote

Die Europäische Charta für Straßenverkehrssicherheit (European Road Safety Charter ERSC) ist die größte zivilgesellschaftliche Plattform für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Über 4.000 öffentliche und private Organisationen haben sich zur Charta verpflichtet, die von der Europäischen Kommission geleitet wird. In zahlreichen Initiativen setzen sie sich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr ein, inspirieren sich gegenseitig und teilen ihr Fachwissen. Ihr gemeinsames Ziel ist die „Vision Zero“, also die Zahl der Verkehrstoten bis 2050 auf möglichst Null zu senken.

In Österreich ist das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) die nationale Kontaktstelle. Das KFV bringt die Informationen der Charta nach Österreich, veranstaltet Weiterbildungen und macht gelungene Praxisbeispiele sichtbar. Im Jahr 2023 veranstaltete das KFV die Tagung „Last Mile“, um auf die verschärften Verkehrsbedingungen durch eine hohe Zahl an Lieferdiensten und Paketzustellungen aufmerksam zu machen. 

In der EU starben im Jahr 2023 20.380 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen. Das sind immerhin um 16 % weniger als noch im Jahr 2013. Österreich befindet sich mit 44 Straßenverkehrstoten pro einer Million Einwohner auf dem 14. Platz der 27 EU-Staaten. Am sichersten ist der Straßenverkehr in Schweden, Dänemark und Malta mit 22, 27 und 30 Straßenverkehrstoten pro einer Million Einwohner. EU-weit machen Männer rund drei Viertel aller Straßenverkehrstoten aus. Unterteilt nach Fortbewegungsmitteln waren im Jahr 2023 rund 45 % der Straßenverkehrstoten Autofahrer:innen, 18 % Fußgänger:innen und 17 % Motorradfahrer:innen (Eurostat 2025).

Österreich räumt beim Europäischen Verkehrssicherheitspreis ab

Im Rahmen der Charta für Verkehrssicherheit vergibt die Europäische Kommission jährlich den Europäischen Verkehrssicherheitspreis an Forschungs- und Praxisprojekte aus ganz Europa in mehreren Kategorien. In den vergangenen drei Jahren bekam Österreich jeweils eine Auszeichnung.

Im Jahr 2023 gewann das Austrian Institute of Technology (AIT) mit dem Projekt „Mobility Observation Box“. Dabei handelt es sich um eine Box, die beispielsweise an einer Kreuzung angebracht wird. Sie sammelt Daten zu Verkehrsflüssen, erkennt verschiedene Gruppen von Verkehrsteilnehmern automatisch und analysiert deren Verkehrsverhalten. So können Konfliktsituationen beobachtet und Maßnahmen zur Verbesserung abgeleitet werden.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) gewann 2024 mit einer innovativen Idee zur Erhöhung der Sicherheit von Motorradfahrer:innen. Diese sind besonders gefährdete Verkehrsteilnehmende und in den Unfallstatistiken überrepräsentiert. Vor allem Kurven bergen Gefahren, da Motorradfahrer:innen dazu neigen, zu nah am Mittelstreifen zu fahren. Dies kann zu gefährlichen Ausweichmanövern oder Kollisionen im Fall von Gegenverkehr führen. Das KFV fand heraus, dass das Aufmalen von Kreisen entlang des Mittelstreifens in Kurven sehr wirksam ist und Motorradfahrer:innen dadurch eine sicherere Linie fahren. Durch diese selbsterklärende Maßnahme konnten Verkehrsunfälle um 80 Prozent reduziert werden.

Mit E-Bike-Trainings für ältere Menschen gewann die Easy Drivers Radfahrschule 2025 den Europäischen Verkehrssicherheitspreis. Da ältere Menschen überdurchschnittlich häufig von E-Bike-Unfällen betroffen sind, braucht es gezielt Maßnahmen damit auch Senior:innen sicher und aktiv mobil sein können. In den Trainings wird durch viel Praxis das sichere Bremsverhalten und die Bewältigung herausfordernder Verkehrssituationen geübt. Nach den Kursen fühlen sich die Teilnehmenden sicherer und motivierter, das E-Bike im Alltag häufiger zu nutzen

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Als Organisation oder Privatperson die Charta unterstützen

Organisationen und Privatpersonen, die sich zur Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit verpflichten und Aktivitäten dafür unternehmen, können Mitglieder der Plattform zur Europäischen Charta für Straßenverkehrssicherheit werden. Die Mitgliedschaft berechtigt zur Verwendung der Logos und Grafiken der Charta. Die Plattform bietet außerdem Good Practices, Webinare und Factsheets rund um das Thema Straßenverkehrssicherheit.

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