© AEA/Olivia Halwachs

13,6 Millionen Stellplätze in Österreich: Neue Daten für Städte und Gemeinden

Österreich verfügt über rund 13,6 Millionen Pkw-Stellplätze und damit über mehr Parkflächen als Einwohner:innen. Der Großteil dieser Stellflächen liegt an der Oberfläche. Gemeinden und Städte haben dank einer aktuellen Studie aus Graz nun eine Datengrundlage, um diese Flächen gezielter zu nutzen. Wie, das erfahren Sie hier.

© AEA/Olivia Halwachs

Daten und Zahlen im Überblick

Fläche

31.700 Hektar werden in Österreich für das Parken verwendet. Das entspricht fast der gesamten Fläche des Neusiedler Sees. 

Standort

10% aller Pkw-Stellplätze liegen im öffentlichen Straßenraum direkt am Straßenrand.

Europavergleich

In Paris gibt es um fast die Hälfte weniger Pkw-Stellplätze pro Einwohner:in als in Wien.

Anzahl

Für jedes zugelassene Auto stehen 2,5 Parkplätze zur Verfügung.

Neue Studie schafft transparente Planungsgrundlage

Eine neue Studie von TU Graz, yverkehrsplanung, PRISMA Solutions und Trafficon Software im Auftrag des Klima- und Energiefonds hat erstmals die Gesamtzahl aller Parkplätze in Österreich erhoben. Das ermöglicht es Städten und Gemeinden, Angebot und Nachfrage zu vergleichen und Parkraummanagement auf einer belastbaren Datengrundlage zu planen.

Das Ergebnis: In Österreich gibt es rund 13,6 Millionen Pkw-Stellplätze. Das entspricht etwa 1,5 Parkplätzen pro Einwohner:in oder 2,5 Parkplätze pro in Österreich zugelassenem Auto

Die Stellflächen verteilen sich wie folgt:

  • 77% sind offene, ebenerdige Stellflächen abseits von Straßen, wie zum Beispiel bei Supermärkten, Parkplätze bei Unternehmen für Mitarbeiter:innen sowie private Stellflächen bei Wohngebäuden.
  • 12% befinden sich in Parkhäusern, Tiefgaragen oder privaten Garagen.
  • 10% liegen im öffentlichen Straßenraum entlang der Fahrbahn, wobei für die Hälfte dieser Parkflächen ein Parkschein benötigt wird oder die Parkdauer begrenzt ist.
  • 1% entfällt auf Park-and-Ride Anlagen.

Diese 13,6 Millionen Parkplätze beanspruchen insgesamt eine Fläche von über 31.700 Hektar. Das entspricht etwa der zweieinhalbfachen Fläche von Graz oder fast der gesamten Fläche des Neusiedler Sees. 

Unterschiedliche Parkplatzdichte je nach Stadt und Region

Ein Vergleich verschiedener europäischer Städte zeigt deutliche Unterschiede beim Stellplatzangebot: So stehen in Graz rund 0,74 Stellplätze pro Einwohner:in zur Verfügung, in Wien sind es 0,67. Bezogen auf die Anzahl der Pkw weist Wien mit 1,84 Stellplätzen pro Fahrzeug jedoch einen höheren Wert auf als Graz mit 1,56.

Noch niedriger sind die Werte in Barcelona und Paris: Hier stehen 0,48 bzw. 0,35 Stellplätze pro Einwohner:in oder 1,31 bzw. 1,23 Stellplätze pro Pkw zur Verfügung. Die Unterschiede zwischen den Städten lassen sich durch eine Vielzahl von Faktoren erklären. Neben den unterschiedlichen Bebauungsdichten spielen vor allem die restriktivere Parkraum- und Verkehrspolitik in Paris und Barcelona eine Rolle.

Auch die in den Bauordnungen und Raumordnungsgesetzen der Bundesländer festgelegten Mindeststellplatzvorgaben sind für die hohe Parkplatzdichte verantwortlich. Bei Neubauvorhaben müssen in vielen Fällen Stellplätze für Pkw vorgesehen werden. Einige Regionen haben diese Vorgaben jedoch bereits angepasst und insbesondere an Standorten mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr das Stellplatzangebot verringert.

Klimawandelanpassung und Hitzeresistenz für heiße Sommer

Angesichts der zunehmenden Hitze in Österreich werden Parkplatzflächen in Hinblick auf Klimawandelanpassung und Hitzeresistenz immer relevanter. Viele Stellflächen bestehen aus versiegelten Oberflächen, die im Sommer die Städte und Gemeinden zusätzlich aufheizen. Auch die Fahrzeuge selbst, die an der Oberfläche parken, speichern die Hitze und erzeugen in Sommernächten ein unangenehmes Klima.

Begrünte Bereiche unterstützen hingegen ein angenehmes Mikroklima und schaffen attraktive Begegnungsorte. Gerade in den Sommermonaten gewinnen Städte und Gemeinden durch zusätzliche Grünflächen und schattige Plätze erheblich an Lebensqualität. Davon profitieren Bürger:innen, Gäste sowie lokale Betriebe gleichermaßen.

Lesen Sie hier, wie Entsiegelung, Begrünung und geeignete Oberflächen dazu beitragen, Stellplätze widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Starkregen zu machen: Stellplatzleitfaden

Großes Potenzial für den Rad- und Fußverkehr

Eine ausgewogene Verteilung von Parkflächen birgt auch für aktive Mobilitätsformen großes Potenzial. Gerade in dicht bebauten Städten ist der verfügbare Platz begrenzt. Mithilfe der neuen Daten der Studie zum Stellplatzangebot können Städte nun Angebot und Nachfrage gegenüberstellen und ihre Flächenplanung bei Bedarf anpassen. So wird Platz frei für attraktive Geh- und Radwege sowie Radabstellplätze.

Zwar sind Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung ein wichtiges Instrument, ihre Wirkung wird jedoch häufig überschätzt (Börjesson und Eliasson 2026). Für eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens ist vor allem eine attraktive und sichere Infrastruktur entscheidend. Werden diese Voraussetzungen geschaffen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen dauerhaft auf aktive Mobilitätsformen umsteigen. Dadurch sinkt wiederum langfristig der Bedarf an Stellplätzen.

© AEA/Olivia Halwachs
Der Nibelungenplatz in Tulln (vor dem Rathaus) war früher eine große Parkfläche und ist heute an angenehmer Aufenthaltsbereich für Gehende und Radtouristen. Die Stadtgemeinde hat für die gelungene Umgestaltung den VCÖ-Mobilitätspreis erhalten.

Parkraummanagement wirkt – gleich in der eigenen Gemeinde umsetzen

Durch ein Parkraummanagement können Gemeinden eine bessere Verfügbarkeit von Parkplätzen erreichen, die Aufenthaltsqualität in Ortszentren verbessern, die Verkehrssicherheit erhöhen und den Verkehr besser lenken. Fünf Gemeinden der Vorarlberger Region „plan b” haben bereits im Jahr 2018 ein abgestimmtes Parkraummanagement eingeführt. Seitdem werden auf Parkplätzen der Gemeinden ab einer Parkdauer von 90 Minuten Gebühren erhoben. Dadurch stehen die begrenzten Parkplätze für Erledigungen oder Einkäufe nun besser zur Verfügung. Die Einnahmen tragen zur Finanzierung der Instandhaltungskosten bei. Außerdem wurde ein Anreiz zum Umsteigen geschaffen, denn eine Jahresparkkarte ist etwa so teuer wie das regionale KlimaTicket für Vorarlberg. Weiterlesen

Wie sie ein gutes Parkraummanagement in der eigenen Gemeinde umsetzen können, erfahren Sie hier (inkl Webinar-Nachschau!): Parkraumbewirtschaftung

Erfahren Sie mehr

Frau steht mit Auto vor Schranke und drückt einen Parkschein raus © istock.com/Jan Nevidal

Parkraumbewirtschaftung

Parkraumbewirtschaftung lenkt Verkehr, entlastet Ortszentren und stärkt nachhaltige Mobilität. Klare Regeln, Transparenz und attraktive Alternativen machen sie zu einem Schlüssel für zukunftsfähigen Tourismus
© AEA/Olivia Halwachs

Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung im Überblick

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Möglichkeiten. Von der Fußgängerzone, über die Wohnstraße bis zur Fahrradstraße oder Tempo 30.
Illustration mit einer Straße, einem Zebra-Streifen, wo gerade mehrere Fußgänger unterwegs sind und ein Fahrradweg mit Radfahrern. Die Straße ist mit Tempo 30 Schild versehen. Im Hintergrund ist auch ein Spielplatz zu sehen. Links und rechts von der Straße viel Grün und Bäume. © BMK

Report Aktive Mobilität 2026: Fußverkehr stark, E-Bikes im Aufwind

Wie oft sind Österreicher:innen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs? Was motiviert sie, was hält sie davon ab? Das zeigt der aktuelle Report Aktive Mobilität
Mann schiebt Fahrrad aus dem großen Haus-Eingang und hält in der anderen Hand ein Handy © istock.com/Milko

Mobilitätsausweis A++: Wie mobil ist mein Standort?

Der Mobilitätsausweis ermöglicht einen übersichtlichen Vergleich von Mobilitätsbedingungen für Mietende, Bauträger, Makler:innen und Fördergeber.