© istock.com/Dietmar Rauscher

Flächenverbrauch und Versiegelung: Österreichs Bodenbilanz 2022–2025

Die neue Auswertung des ÖROK-Monitorings zeigt, wie sich Österreichs Flächeninanspruchnahme entwickelt und welche Nutzungen besonders stark wachsen. Der tägliche Flächenverbrauch sinkt zwar, doch der Anteil versiegelter Böden bleibt hoch – vor allem im Verkehrsbereich.

© istock.com/Dietmar Rauscher

Der ÖROK-Monitoringbericht 2022-2025 ist da

Die aktuelle Auswertung des ÖROK-Monitorings zeigt die Entwicklung der Flächeninanspruchnahme in Österreich und welche Nutzungsformen dabei besonders ins Gewicht fallen. Auf Basis von Verwaltungsdaten von Bund und Ländern werden Trends bei Siedlungs-, Verkehrs- und Versorgungsflächen ebenso sichtbar wie Veränderungen beim Versiegelungsgrad. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage, um Entwicklungen besser zu verstehen. Das Monitoring wird derzeit in einem Dreijahres-Zyklus durchgeführt.

Knapp ein Drittel der genutzten Flächen entfällt auf Verkehr

Nur ein Teil Österreichs steht als sogenannter Dauersiedlungsraum zur Verfügung, der für Siedlung, Verkehr und Landwirtschaft genutzt werden kann. Dieser umfasst 39 % der Landesfläche bzw. 32.707 km². Der überwiegende Rest ist vor allem aufgrund des hohen Anteils alpiner Flächen nicht nutzbar.

Mit Stand 2025 gelten 5.681 km² als „in Anspruch genommen“, das entspricht rund 17,4 % der Gesamtfläche des Dauersiedlungsraums. Dazu zählen alle Flächen für Wohnen, Verkehr, Freizeit, Erholung sowie Ver- und Entsorgung. Das heißt, diese Flächen stehen weder der Land- und Forstwirtschaft noch als natürlicher Lebensraum zur Verfügung.

Der größte Anteil entfällt auf Siedlungsflächen innerhalb der Baulandwidmung (49,2 %), gefolgt von Verkehrsflächen (30,4 %). Desweiteren entfallen 11,9 % auf Siedlungsflächen außerhalb der Baulandwidmung, 5,6 % auf Freizeit- und Erholungsflächen und 2,6 % auf Flächen für Versorgung und Entsorgung. Der Rest wird unter „Sonstiges" subsumiert.

© AEA/Daten von ÖROK und Umweltbundesamt

Täglicher Flächenverbrauch rückläufig

Der tägliche Flächenverbrauch ist im Vergleich zur Vorperiode deutlich gesunken: von 10,9 Hektar pro Tag (2019–2022) auf aktuell rund 6,5 Hektar pro Tag. Da Datengrundlagen und Berechnungsmethoden überarbeitet wurden, wurde zusätzlich eine Vergleichsrechnung nach alter Methode durchgeführt – mit einem Ergebnis von 6,7 Hektar pro Tag.

Trotz methodischer Anpassungen zeigt der Langzeitvergleich klar: Die Zunahme der Flächeninanspruchnahme hat sich verlangsamt. 

© AEA/Daten von ÖROK und Umweltbundesamt

Werden neue Flächen beansprucht, handelt es sich dabei zum überwiegenden Großteil um Siedlungsflächen.

Versiegelung: Verkehrsflächen als Treiber

Mit Stand 2022 (aktuellst verfügbar Daten) sind mehr als die Hälfte der beanspruchten Flächen – konkret 52,8 % – versiegelt. Versiegelung bedeutet, dass der Boden vollständig mit wasser- und luftundurchlässigen Materialien wie Asphalt oder Beton bedeckt ist. 

Besonders stark betroffen sind Verkehrsflächen: Von insgesamt 1.727 km² Verkehrsfläche sind 1.248 km² versiegelt.  

© AEA/Daten von ÖROK und Umweltbundesamt
Fläche versiegelt nicht versiegelt

Verkehrsfläche

1.238

479

Siedlungsfläche innerhalb Baulandwidmung

1.354

1.391

Siedlungsfläche außerhalb Baulandwidmung

297

381

Freizeit und Erholung

53

265

Ver- u. Entsorgung, Abbauflächen

18

129

Freiflächen-PV- und Windkraftanlagen

1

5

Unversiegelte, intakte Böden gewinnen angesichts der Klimakrise zunehmend an Bedeutung. Sie können Wasser aufnehmen und speichern und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Überschwemmungen. Gleichzeitig wirken sie temperaturregulierend. Versiegelte Flächen hingegen heizen sich an heißen Tagen besonders stark auf und verstärken das Entstehen städtischer Hitzeinseln.

Warum unversiegelte Böden wichtig sind, können Sie unter anderem auch im VCÖ-Factsheet nachlesen: Verkehr und Zersiedlung als Treiber der Versiegelung

Zersiedelung treibt Verbrauch an Verkehrsflächen an

Zersiedelung und Flächenverbrauch stehen in unmittelbarem Zusammenhang: Größere Entfernungen zwischen Siedlungen verlängern nicht nur die Alltagswege, sondern erhöhen auch die Kosten für die Errichtung von Leitungen, Kanälen und Straßen. Das wirkt sich langfristig auf die Instandhaltungskosten aus. 

Zusätzlich erhöht sich durch Zersiedelung die Abhängigkeit vom Auto. Dadurch verschlechtert sich die Erreichbarkeit und die Erschließungskosten für den öffentlichen Verkehr erhöhen sich. Während der Anteil der Verkehrsflächen an der gesamten Flächennutzung in dicht bebauten Städten gering bleibt, liegt er in ländlichen Regionen deutlich höher. 

Daher sind dichte Siedlungsstrukturen und eine stärkere Innenverdichtung erstrebenswert. Dadurch werden Wege kürzer und aktive Mobilitätsformen wie der Fußverkehr automatisch attraktiver. Langfristig wird so die Lebensqualität in bestehenden Siedlungsgebieten erhöht.

Erfahren Sie mehr

Hinweisschild auf einer Landesstraße mit "Abstand halten 2m". © Land Oberösterreich

Abstand halten! Bewusstseinskampagne „Sei kein Ungustl“ in Oberösterreich

Die Kampagne weist humorvoll auf die Einhaltung der Überholabstände im Straßenverkehr hin und soll das Bewusstsein bei Autofahrern schärfen.
Junge Frau mit Sonnenbrille radelt entlang der Seine, im Hintergrund der Eiffelturm © istock.com/Olivier Djiann

Nachhaltiges Wachstum im Radverkehr: Das Beispiel Paris

Von Autometropole zur Fahrrad-Stadt: Eine Studie hat nun untersucht, wie politische Entscheidungen diesen Wandel beeinflussen und welche Maßnahmen besonders wirkungsvoll sind.
Viele Menschen auf einem Platz zu Fuß unterwegs, im Hintergrund Hochhäuser © iStock.com/Maciej Noskowski

Maßnahmenbericht für eine sozial- und klimaverträgliche Mobilitätswende 2024

Der 2024 vorgelegte Bericht des Umweltbundesamts dient als fachliche Grundlage für nationale Entscheidungsprozesse zur Ökologisierung des Verkehrssektors .
Eine Radfahrerin auf einem Faltrad am Tauernradweg von hinten. Links fließt ein Fluss, direkt neben dem Weg ist alles begrünt und mit Laternen ausgestattet. © iStock.com/tupungato

Radzielnetz Vision

Das optimale Radnetz für Österreich? Eine datengestützte Methode kann hier Anregungen geben.