Flächenverbrauch und Versiegelung: Österreichs Bodenbilanz 2022–2025
Die neue Auswertung des ÖROK-Monitorings zeigt, wie sich Österreichs Flächeninanspruchnahme entwickelt und welche Nutzungen besonders stark wachsen. Der tägliche Flächenverbrauch sinkt zwar, doch der Anteil versiegelter Böden bleibt hoch – vor allem im Verkehrsbereich.
Der ÖROK-Monitoringbericht 2022-2025 ist da
Die aktuelle Auswertung des ÖROK-Monitorings zeigt die Entwicklung der Flächeninanspruchnahme in Österreich und welche Nutzungsformen dabei besonders ins Gewicht fallen. Auf Basis von Verwaltungsdaten von Bund und Ländern werden Trends bei Siedlungs-, Verkehrs- und Versorgungsflächen ebenso sichtbar wie Veränderungen beim Versiegelungsgrad. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage, um Entwicklungen besser zu verstehen. Das Monitoring wird derzeit in einem Dreijahres-Zyklus durchgeführt.
Knapp ein Drittel der genutzten Flächen entfällt auf Verkehr
Nur ein Teil Österreichs steht als sogenannter Dauersiedlungsraum zur Verfügung, der für Siedlung, Verkehr und Landwirtschaft genutzt werden kann. Dieser umfasst 39 % der Landesfläche bzw. 32.707 km². Der überwiegende Rest ist vor allem aufgrund des hohen Anteils alpiner Flächen nicht nutzbar.
Mit Stand 2025 gelten 5.681 km² als „in Anspruch genommen“, das entspricht rund 17,4 % der Gesamtfläche des Dauersiedlungsraums. Dazu zählen alle Flächen für Wohnen, Verkehr, Freizeit, Erholung sowie Ver- und Entsorgung. Das heißt, diese Flächen stehen weder der Land- und Forstwirtschaft noch als natürlicher Lebensraum zur Verfügung.
Der größte Anteil entfällt auf Siedlungsflächen innerhalb der Baulandwidmung (49,2 %), gefolgt von Verkehrsflächen (30,4 %). Desweiteren entfallen 11,9 % auf Siedlungsflächen außerhalb der Baulandwidmung, 5,6 % auf Freizeit- und Erholungsflächen und 2,6 % auf Flächen für Versorgung und Entsorgung. Der Rest wird unter „Sonstiges" subsumiert.
Täglicher Flächenverbrauch rückläufig
Der tägliche Flächenverbrauch ist im Vergleich zur Vorperiode deutlich gesunken: von 10,9 Hektar pro Tag (2019–2022) auf aktuell rund 6,5 Hektar pro Tag. Da Datengrundlagen und Berechnungsmethoden überarbeitet wurden, wurde zusätzlich eine Vergleichsrechnung nach alter Methode durchgeführt – mit einem Ergebnis von 6,7 Hektar pro Tag.
Trotz methodischer Anpassungen zeigt der Langzeitvergleich klar: Die Zunahme der Flächeninanspruchnahme hat sich verlangsamt.
Werden neue Flächen beansprucht, handelt es sich dabei zum überwiegenden Großteil um Siedlungsflächen.
Versiegelung: Verkehrsflächen als Treiber
Mit Stand 2022 (aktuellst verfügbar Daten) sind mehr als die Hälfte der beanspruchten Flächen – konkret 52,8 % – versiegelt. Versiegelung bedeutet, dass der Boden vollständig mit wasser- und luftundurchlässigen Materialien wie Asphalt oder Beton bedeckt ist.
Besonders stark betroffen sind Verkehrsflächen: Von insgesamt 1.727 km² Verkehrsfläche sind 1.248 km² versiegelt.
| Fläche | versiegelt | nicht versiegelt |
|---|---|---|
Verkehrsfläche | 1.238 | 479 |
Siedlungsfläche innerhalb Baulandwidmung | 1.354 | 1.391 |
Siedlungsfläche außerhalb Baulandwidmung | 297 | 381 |
Freizeit und Erholung | 53 | 265 |
Ver- u. Entsorgung, Abbauflächen | 18 | 129 |
Freiflächen-PV- und Windkraftanlagen | 1 | 5 |
Unversiegelte, intakte Böden gewinnen angesichts der Klimakrise zunehmend an Bedeutung. Sie können Wasser aufnehmen und speichern und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Überschwemmungen. Gleichzeitig wirken sie temperaturregulierend. Versiegelte Flächen hingegen heizen sich an heißen Tagen besonders stark auf und verstärken das Entstehen städtischer Hitzeinseln.
Warum unversiegelte Böden wichtig sind, können Sie unter anderem auch im VCÖ-Factsheet nachlesen: Verkehr und Zersiedlung als Treiber der Versiegelung
Zersiedelung treibt Verbrauch an Verkehrsflächen an
Zersiedelung und Flächenverbrauch stehen in unmittelbarem Zusammenhang: Größere Entfernungen zwischen Siedlungen verlängern nicht nur die Alltagswege, sondern erhöhen auch die Kosten für die Errichtung von Leitungen, Kanälen und Straßen. Das wirkt sich langfristig auf die Instandhaltungskosten aus.
Zusätzlich erhöht sich durch Zersiedelung die Abhängigkeit vom Auto. Dadurch verschlechtert sich die Erreichbarkeit und die Erschließungskosten für den öffentlichen Verkehr erhöhen sich. Während der Anteil der Verkehrsflächen an der gesamten Flächennutzung in dicht bebauten Städten gering bleibt, liegt er in ländlichen Regionen deutlich höher.
Daher sind dichte Siedlungsstrukturen und eine stärkere Innenverdichtung erstrebenswert. Dadurch werden Wege kürzer und aktive Mobilitätsformen wie der Fußverkehr automatisch attraktiver. Langfristig wird so die Lebensqualität in bestehenden Siedlungsgebieten erhöht.