Fahrrad richtig warten & ausstatten: Checks, Pflege & Reparaturen
Für viele ist Radfahren ein regelmäßiger Begleiter im Alltag. Es baut Stress ab und sorgt für die nötige Bewegung. Vielleicht gehören auch Sie zu den vielen leidenschaftlichen Radfahrer:innen. Um auch weiterhin sicher ans Ziel zu kommen, benötigen Sie die richtige Fahrradausstattung und sollten regelmäßig einige Pflegemaßnahmen ergreifen.
Egal, ob Sie zu den Schönwetterradler:innen gehören oder das ganze Jahr in die Pedale treten: Ihr Fahrrad braucht Liebe und Pflege, damit Sie sicher von A nach B kommen. Ein Auto wird schließlich auch gewartet, in die Waschstraße gefahren, und das Motoröl sowie die Bremsflüssigkeit werden bei Bedarf nachgefüllt. Wir führen Sie Schritt für Schritt durch die gesetzlichen Regelungen zum Radfahren, erklären, wie Sie Ihr Fahrrad regelmäßig checken und zeigen Ihnen, welche Pflegemaßnahmen und Reparaturen Sie selbst umsetzen können. So wird das Radfahren zu einem noch größeren Vergnügen.
Gesetzlich vorgeschriebe Fahrradaustattung in Österreich (StVO)
Welche Fahrradausstattung in Österreich verpflichtend ist, regelt die Straßenverkehrsordnung (StVO). Mit der richtigen Ausstattung kommen Sie sicher an Ihr Ziel. Lichter vorne und hinten sind nur bei Dunkelheit oder schlechter Sicht verpflichtend.
Vorschriften wie jene der Straßenverkehrsordnung kennen Sie auch aus anderen Bereichen Ihres Alltags. Beim Auto ist es selbstverständlich, dass bestimmte Teile funktionieren und regelmäßig überprüft werden, etwa Bremsen, Beleuchtung oder Reifen. Ähnlich ist es beim Fahrrad: Auch hier gibt es klare Vorgaben, die dazu beitragen, dass Sie sicher unterwegs sind und von anderen Verkehrsteilnehmer:innen gut wahrgenommen werden. Eine vollständige und funktionierende Ausstattung ist daher keine Formalität, sondern ein wichtiger Beitrag zu Ihrer eigenen Sicherheit und der aller anderen im Straßenverkehr.
Weitere Details zu Reflektoren am Fahrrad nach StVO
Reflektoren sorgen dafür, dass Ihr Fahrrad im Dunkeln besser gesehen wird, indem sie einfallendes Licht zurückwerfen. Sie sind einfach, wartungsarm und gesetzlich vorgeschrieben.
Wichtig im Überblick:
- Reflektoren müssen laut StVO immer am Fahrrad angebracht sein – auch tagsüber
- Sie dürfen auch beim Verkauf nicht fehlen (können aber beigelegt werden)
- Alternativ sind auch zugelassene Reflektorfolien möglich (ECE R104)
Vorne (weiß):
Ein weißer Reflektor zeigt nach vorne. Er kann separat am Lenker oder in modernen Scheinwerfern integriert sein. Auch Reflektorfolie am Rahmen ist möglich.
Hinten (rot):
Ein roter Rückstrahler zeigt nach hinten, meist am Gepäckträger, Schutzblech oder an der Sattelstütze. Wichtig: Er muss frei sichtbar sein und darf nicht verdeckt werden.
Pedale (gelb):
Gelbe Reflektoren an den Pedalen machen die Bewegung des Fahrrads sichtbar. Alternativ sind reflektierende Streifen an Schuhen oder Kurbeln erlaubt.
Seiten (gelb oder weiß):
Für bessere Sicht von der Seite sorgen Reflektoren an den Speichen, reflektierende Streifen im Reifen oder Reflektorfolie. Die Wirkung muss auf beiden Seiten gegeben sein.
Gut zu wissen: Gerade der weiße Frontreflektor fehlt im Alltag häufig oder wird zum Beispiel durch Körbe oder Zubehör verdeckt. Achten Sie daher immer darauf, dass alle Reflektoren gut sichtbar sind.
FAQs: So halten Sie Ihr Fahrrad fahrtüchtig
Wenn Sie regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist es ganz normal, dass Ihr Fahrrad stärkerem Verschleiß ausgesetzt ist. Je mehr Sie unterwegs sind, desto häufiger müssen Sie Reparaturen durchführen. Das ist bei einem Auto nicht anders. Wer jedoch ein Auge darauf hat, kann häufigen Pannen vorbeugen und die Lebensdauer der einzelnen Teile verlängern.
Gut zu wissen: Laut ADAC sind die häufigsten Pannen defekte Reifen (69 %), gefolgt von Schäden an der Kette (8 %) und Schäden an der Bremse (2 %). Schaltung, Elektrik und Schloss machen zusammen nur 9 % aus.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie dauerhaft sicher und bequem mit dem Fahrrad von A nach B kommen.
Selbst wenn das Fahrrad nur im Fahrradraum oder im Keller steht, verlieren seine Reifen mit der Zeit Luft. Reifen mit geringem Druck erhöhen automatisch die Wahrscheinlichkeit für einen defekten Reifen. Kontrollieren Sie daher regelmäßig den Reifendruck. Seitlich an den Reifen finden Sie den minimalen und maximalen Druck, der für den Reifen vorgesehen ist. Achten Sie dabei darauf, dass der Reifen nicht zu viel oder zu wenig Luft enthält. Die meisten Standpumpen haben zudem auch einen Reifendruckmesser (Manometer) eingebaut. Im Winter können Sie den Reifendruck leicht reduzieren, das erhöht den Grip.
Es lohnt sich auch, das Fahrrad selbst regelmäßig zu überprüfen. Sind Risse, Schnitte oder poröse Stellen an den Reifen zu sehen? Das ist besonders relevant, wenn Ihr Fahrrad schon älter ist oder stark genutzt wird. Ist das Profil schon deutlich abgefahren? Viele Fahrradreifen verfügen, ähnlich wie Autoreifen, über kleine Verschleißindikatoren in der Lauffläche. Diese Markierungen zeigen an, wie stark der Reifen bereits abgefahren ist. Sobald diese Indikatoren nicht mehr sichtbar sind oder bündig mit der Lauffläche abschließen, ist der Reifen in der Regel an der Verschleißgrenze und sollte ausgetauscht werden.
Zusätzlich ist zu beachten, dass sich der Hinterreifen meist schneller abnutzt als der Vorderreifen. Das liegt daran, dass er beim Fahren stärker belastet wird, etwa durch das Körpergewicht, den Antrieb und die beim Bremsen entstehenden Kräfte. Deshalb lohnt es sich, den Zustand des Hinterreifens besonders regelmäßig zu kontrollieren. Wenn der Grip beziehungsweise die Bodenhaftung geringer ist, riskieren Sie einen Unfall.
Grundsätzlich ist es von Vorteil, konzentriert zu fahren, um Schlaglöchern, Bordsteinkanten oder sogar Scherben ausweichen zu können. Das erspart Ihnen großen Ärger über einen platten Reifen.
Ohne Fahrradkette geht bekanntlich nichts. Schmutz, Staub und Wasser führen jedoch zu Verschleiß. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre Kette circa alle 300 km reinigen. Wenn Sie häufiger auf unbefestigten Wegen fahren, muss die Kette aufgrund der stärkeren Verschmutzung häufiger gereinigt werden.
- Entfernen Sie dabei zunächst den groben Schmutz mit einer Bürste oder optional mit einem Pflegeöl. Neben der Kette sollten Sie auch die Kartenblätter, die Kassette, das Schaltwerk und den Umwerfer reinigen.
- Auch eine Zahnbürste hilft dabei, schwer zugängliche Stellen zu reinigen.
- Im Anschluss ziehen Sie die Kette durch Rückwärtsdrehen der Pedale durch ein Tuch.
- Am Ende kommen mineralisches Kettenöl, Kettenspray oder Kettenwachs dran. Achtung: Verwenden Sie keine pflanzlichen Öle, diese verkleben die Kette. Nach einer Einwirkzeit sollte das überschüssige Öl mit einem Lappen wieder abgewischt werden. Tragen Sie das Kettenöl gezielt von innen auf die Kettenglieder auf – am besten tropfenweise auf jedes einzelne Glied, während Sie die Kurbel langsam drehen. So gelangt das Öl direkt dorthin, wo es gebraucht wird. Nach dem Auftragen sollten Sie unbedingt einmal alle Gänge durchschalten und die Kette dabei laufen lassen. Dadurch verteilt sich das Öl gleichmäßig über die gesamte Kette sowie auf alle Kettenblätter und die Kassette. Abschließend können Sie überschüssiges Öl außen leicht abwischen, damit kein Schmutz anhaftet.
Egal, ob Sie zur Arbeit fahren oder eine spontane Fahrt durch die Stadt unternehmen, Sie verlassen sich vermutlich darauf, dass Ihre Bremsen zuverlässig funktionieren. Damit das so bleibt, sollten Sie die Einstellung Ihrer Bremsen regelmäßig überprüfen.
Die gängigsten Bremsen sind Felgen- und Scheibenbremsen. Ob Sie eine Felgenbremse (V-Brake) haben, erkennen Sie daran, dass die Bremsklötze direkt auf die Felge des Rads drücken. Zudem sind zwei Bremsarme links und rechts am Rad, die sich beim Bremsen nach innen bewegen und auf die Felge drücken.
Mit etwas Übung lassen sich Felgenbremsen gut selbst einstellen.
- Achten Sie darauf, dass beide Bremsarme gleichmäßig zur Felge ausgerichtet sind.
- Die Bremsbeläge sollten die Felge sauber treffen und weder zu hoch noch zu tief sitzen. Zu hoch kann gefährlich sein, weil der Bremsbelag dann am Reifen schleift und diesen beschädigt.
- Zwischen Felge und Bremsbelag sollte ein kleiner Abstand bleiben (etwa 1,5 bis 2 mm), damit nichts schleift.
- Über die Stellschraube am Bremshebel können Sie die Zugspannung des Bremsseils anpassen, wenn der Bremshebel zu locker wirkt.
Scheibenbremsen: Bei dieser Bremsart greift und bremst die in der Mitte des Rades montierte Bremsscheibe.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, zunächst ohne das Lösen des Bremssattels zu arbeiten. Wenn die Bremse schleift, können Sie zuerst die Bremskolben beziehungsweise Bremsbeläge vorsichtig mit einem geeigneten Kunststoffwerkzeug (z. B. einem Reifenheber) etwas zurückdrücken. Dafür muss in der Regel vorher das Laufrad ausgebaut werden. Erst wenn sich das Problem dadurch nicht beheben lässt und die Bremse weiterhin schleift, sollte der Bremssattel gelockert und neu ausgerichtet werden.
Zusätzlich ist es wichtig, auch bei Scheibenbremsen regelmäßig den Verschleiß der Bremsbeläge zu kontrollieren, da diese sich mit der Zeit abnutzen und rechtzeitig ersetzt werden sollten.
Zudem wird zwischen mechanischen und hydraulischen Bremsen unterschieden. Das gilt für Felgen- wie auch für Scheibenbremsen, wobei hydraulische Systeme vor allem bei Scheibenbremsen verbreitet sind. Ob Ihre Bremse mechanisch oder hydraulisch funktioniert, erkennen Sie in der Regel schnell: Mechanische Bremsen verfügen über ein Bremskabel, während hydraulische Bremsen über eine geschlossene Leitung mit Bremsflüssigkeit verfügen. Beide Systeme haben ihre Vorteile, unterscheiden sich aber in Wartung und Handhabung. Einfache mechanische Bremsen können Sie in der Regel selbst nachjustieren. Bei hydraulischen Scheibenbremsen ist es jedoch empfehlenswert, Einstellungen und Reparaturen von einer Fachwerkstatt durchführen zu lassen.
Wenn Ihr Fahrrad schon einige Kilometer zurückgelegt hat, kann es sein, dass die Gänge beim Schalten durchrutschen. Wenn die Kette beim Fahren durchrutscht, sind in vielen Fällen entweder die Kettenblätter oder die Kassette bereits stark abgenutzt und sollten überprüft werden. Lässt sich das Fahrrad hingegen nicht mehr sauber schalten oder springt die Kette beim Schalten sogar ab, ist die Schaltung meist falsch eingestellt. In solchen Fällen kann eine Nachjustierung helfen, allerdings kann das je nach System recht komplex und zeitaufwendig sein. Wenn Sie unsicher sind oder keine Verbesserung erzielen, ist der Gang in die Fachwerkstatt oft die sinnvollste Lösung. Am besten lassen Sie es direkt im Zuge einer Fahrradreparatur anschauen, denn die Einstellungen sind abhängig vom Hersteller. Wenn Sie es doch selbst machen wollen, hilft Ihnen die Anleitung zu Ihrem Fahrrad, die oft auch online zu finden ist.
Wenn Ihr Fahrrad einmal nicht mehr ganz rund läuft, können Sie viele kleinere Probleme selbst beheben. Für die meisten Reparaturen gibt es leicht verständliche Videoanleitungen, die Sie Schritt für Schritt unterstützen. Eine gute Grundausstattung für zu Hause ist dabei sehr hilfreich.
Das gehört in Ihr Reparaturset:
Reifenheber
Ersatzschlauch
Luftpumpe
Gegebenenfalls Multitool für Schrauben
Ein platter Reifen zählt zu den häufigsten Problemen. In den meisten Fällen reicht es aus, den Schlauch zu wechseln. Mit pannensicheren Schläuchen oder Reifen können Sie zukünftigen Schäden zusätzlich vorbeugen.
Reifen oder Schlauch wechseln – so geht’s:
Bauen Sie zuerst das Laufrad aus.
Lassen Sie die Luft vollständig ab.
Hebeln Sie den Reifen mit Reifenhebern auf einer Seite von der Felge.
Entfernen Sie den Schlauch, indem Sie zuerst das Ventil lösen.
Setzen Sie den neuen Schlauch ein und befestigen Sie ihn locker am Ventil.
Pumpen Sie ihn leicht an, damit er sich gleichmäßig verteilt und nicht eingeklemmt wird.
Ziehen Sie den Reifen wieder auf die Felge.
Pumpen Sie den Reifen vollständig auf und prüfen Sie den Sitz.
Zusätzliche Tipps:
Kontrollieren Sie beim Wechsel auch den Reifen auf kleine Fremdkörper (z. B. Glas oder Steinchen).
Achten Sie darauf, dass der Schlauch nirgends eingeklemmt und verdreht ist.
Prüfen Sie regelmäßig den Reifendruck. Das verhindert viele Pannen von vornherein.
Wenn Sie Ihr Fahrrad nach längerer Zeit wieder verwenden, sollten Sie einen besonderen Blick darauf werfen:
- Überprüfen Sie den Reifendruck: Der optimale Druck ist als Min- und Max-Wert in bar auf dem Reifen angegeben.
- Einstellung der Bremsen: Schauen Sie sich im Zweifelsfall am besten eine Online-Videoanleitung an.
- Sorgfältige, regelmäßige Pflege: Spezialreiniger, Kette einölen, Gangschaltung und Zahnräder schmieren
- Licht und Dynamo testen
- Überprüfung von Rahmen und Lenker
- Testen Sie die Ausstattung (Klingel, Gepäckträger, Reflektoren, Helm, Schloss).