Mit Kleinkindern unterwegs: Kinderwagen, zu Fuß oder per Rad
Sichere und gesunde Mobilität ist ein wichtiger Schritt für Kinder in Richtung Selbstständigkeit. Erfahren Sie, wie Sie als Eltern Ihr Kind dabei unterstützen können – von der passenden Ausstattung bis hin zur Erkundung sicherer Wege. So bleibt Ihr Nachwuchs aktiv, geschützt und mit Freude unterwegs.
Kinder sind neugierig, voller Energie und wollen die Welt mit allen Sinnen erleben – auch unterwegs. Ob zu Fuß, mit dem Laufrad, im Buggy oder später mit dem eigenen Fahrrad: Mit Ihrem Kind mobil zu sein, bedeutet mehr, als nur von A nach B zu kommen. Es bedeutet, gemeinsam neue Wege zu entdecken, Alltagserledigungen spielerisch zu gestalten und gleichzeitig die Sicherheit nicht aus den Augen zu verlieren. Das sorgt später einmal für eine größere Eigenständigkeit Ihres Kindes.
Gut zu wissen: Aktive Bewegung, egal ob zu Fuß oder mit dem Rad, stärkt bereits sehr früh die Abwehrkräfte, beugt Haltungsschäden und Übergewicht vor und macht außerdem Spaß. Alltagswege sind ideale regelmäßige Bewegungs- und Erlebnisquellen für Ihre Kinder.
Zu Fuß an die frische Luft
Die ersten Jahre prägen Kinder besonders. Durch das Zu-Fuß-Gehen oder Radfahren können Sie mit Ihrem Kind die Welt entdecken, schnappen frische Luft und tun etwas für Ihre gemeinsame Gesundheit. Zu-Fuß-Gehen hält gesund, sowohl physisch als auch psychisch. Umso wichtiger ist es, bereits von Anfang an mit Ihrem Baby rauszukommen, egal ob mit Tragetuch oder Kinderwagen.
Ein zweites Kind kann auf einem Kiddy-Board - einem Trittbrett, das am Kinderwagen befestigt wird - mitfahren. Wird das Board nicht benötigt, kann es einfach hochgeklappt und mit einem Gurt am Kinderwagen befestigt werden. Kiddy-Boards sind für Kinder im Alter von etwa 18 Monaten bis fünf Jahren geeignet. Sind Sie häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, achten Sie auf eine maximale Breite des Kinderwagens von 61 cm.
Radeln mit Kleinkindern: Anhänger, Laufräder und Kinderräder
Viele Kinder „reiten“ lieber auf einem Steckenpferd, fahren Scooter oder Laufrad als „nur“ zu gehen und legen so, von ihnen selbst unbemerkt, längere Strecken zurück. Wenn das Kind selbst noch zu klein ist, können Sie auf einen Fahrradanhänger zurückgreifen. Dieser ist weitaus stabiler und kippsicherer als ein Kind im Kindersitz. Später sind Laufräder ein guter erster Schritt, um das Fahrradfahren zu erlernen, bis das Kinder auf ein Kinderfahrrad wechselt.
Die Auswahl an Kinderfahrrädern ist riesig. Wichtig ist, dass Ihr Kind mit beiden Füßen gut den Boden erreichen kann. Auf keinen Fall sollten Sie ein Fahrrad „zum Hineinwachsen“ kaufen. Kinderräder, die zu groß dimensioniert sind, stellen ein Sicherheitsrisiko für Ihr Kind dar.
Technische Anforderungen laut StVO:
Ab 300 mm Felgendurchmesser: Fahrrad gilt als Fahrzeug laut StVO.
Zwei unabhängige Bremsen, weißes Vorderlicht, rotes Rücklicht, Klingel
Reflektoren: weiß vorne, rot hinten, gelb an Pedalen, gelb/weiß an Speichen
klimaaktiv mobil Empfehlungen:
Entschärfte Ecken und Kanten
Lenker etwas breiter als Schultern, breite Griffe mit dicken Enden
Schmales Tretlager, breite rutschfeste Pedale
Kettenschutz, Schutzbleche vorne und hinten
Abstandhalter bei jungen Kindern, stabiler Fahrradständer
So üben Sie am besten mit Ihrem Kind abseits des Verkehrs:
Fahren zwischen Linien zur Spurhaltung
Langsam-Fahr-Wettbewerb ohne Füße abzusetzen
Bremsen und Fahren auf verschiedenen Untergründen und bei Nässe
Punktgenaues Bremsen mit beiden Bremsen gleichzeitig
Sobald Sie mit Ihrem Kind planen, im Straßenverkehr zu fahren, besprechen Sie vor Fahrtantritt unbedingt wichtige Verhaltensregeln: Erklären Sie Ihrem Kind, dass es immer an Kreuzungen und Einfahrten stehenbleiben, aufmerksam nach links und rechts schauen, in der Spur bleiben und vorausschauend fahren muss. Auch das deutliche Handzeichen beim Abbiegen, das Anhalten an Stoppschildern sowie der sichere Abstand zu parkenden Autos sollten Teil Ihres Gesprächs sein.
Laufräder eignen sich für Ihr Kind optimal als Vorbereitung auf das Fahrradfahren. Sie schulen damit das Gleichgewicht, das Raumgefühl und die Reaktionsfähigkeit Ihres Kindes. Laufräder haben keine Pedale, sondern werden direkt mit den Füßen bewegt. Der Sattel sollte dabei so eingestellt werden, dass das Kind mit den ganzen Sohlen beider Füße auf dem Boden stehen kann. Die Knie sollten dann noch leicht gebeugt sein. Kinder können mit Laufrädern sehr schnell werden. Achten Sie deshalb beim Kauf eines Laufrads darauf, dass es über eine Bremse verfügt.
Wenn Sie sich für einen Fahrrad-Kindersitz entscheiden, hat das den Vorteil, dass Ihr Kind nah bei Ihnen sitzt und Sie es so jederzeit im Blick haben. Allerdings ist auch die Sturz- und Verletzungsgefahr höher als bei Fahrradanhängern.
Achten Sie daher auf die folgende Ausstattung des Kindersitzes:
- Gurtsystem, das vom Kind nicht leicht geöffnet werden kann.
- Höhenverstellbarer Beinschutz, der an die Körpergröße des Kindes angepasst werden kann. Die Füße werden mit Riemen fixiert. Beinschutz und Fußstütze sollen sicherstellen, dass die Beine nicht in die Speichen gelangen können.
Sie können sich natürlich auch für ein Transportrad entscheiden. Dieses ist allerdings schwerer, länger und auch etwas teurer als ein herkömmliches Fahrrad. Dafür überzeugen die Räder durch gute Qualität und Langlebigkeit. Es gibt auch Kindertransporträder mit elektrischem Antrieb.
Und wenn die Kinder einmal (zu) groß sind, kann der Hund oder einfach der Familieneinkauf mit dem Transportrad mitfahren. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen Kinder in Fahrrädern mit einer Transportkiste nur dann befördert werden, wenn diese laut Hersteller für den Transport von Kindern geeignet ist und über ein Gurtsystem verfügt, das von Kindern nicht leicht zu öffnen ist. Für das Kind gilt gemäß StVO die Helmpflicht. Hinsichtlich der Transportkiste gilt die Bestimmung der Fahrradverordnung.
Mehr Informationen erhalten Sie unter Transport für den Alltag.
Ein Fahrradanhänger ist in erster Linie für den Transport von Kindern mit dem Fahrrad gedacht. Er wird am Fahrrad befestigt, bietet Platz für ein oder zwei Kinder und ist in der Regel stabiler gebaut, um Sicherheit bei höheren Geschwindigkeiten zu gewährleisten. Viele Modelle lassen sich mit wenigen Handgriffen auch zum Kinderwagen umbauen, ein praktischer Vorteil für Eltern, die flexibel unterwegs sein möchten. Dennoch sollten Sie beim Einsatz als Kinderwagen auf das Handling, die Breite und das Gewicht achten, da Fahrradanhänger oft sperriger sind als klassische Kinderwägen.
Kleinkinder können optimal mit einem Fahrradanhänger transportiert werden. Ein solches Gespann ist wesentlich leichter zu beherrschen und kippsicherer als ein Fahrrad, auf dessen Gepäckträger ein Kind im Kindersitz sitzt. An Kreuzungen kann problemlos angehalten werden, ohne dass die Gefahr besteht, umzukippen.
Es werden sowohl Ein- als auch Zweisitzer-Anhänger angeboten. Transportiert man ein Kind in einem Zweisitzer, sollte es möglich sein, es zur optimalen Schwerpunktverteilung mittig zu platzieren und zu sichern.
In manchen Fahrradanhänger-Modellen können sogar Babys befördert werden. Dafür empfehlen sich hochwertigere Anhänger mit eigener Achsfederung. Von den Herstellern werden eigene Babyschalen oder Hängematten angeboten, die am Anhängerrahmen befestigt werden. Um Ihr Baby noch zusätzlich vor Erschütterungen zu schützen, können Sie die Schale von unten mit Schaumstoff polstern und die Räder des Anhängers weich aufpumpen. Achten Sie auf geeignete Kleidung für Ihr Baby, um es vor Sonne, Kälte und Zugluft zu schützen. Erst wenn das Baby selbstständig sitzen kann, ist eine Mitnahme im Anhänger ohne Tragschale oder im Fahrradsitz möglich.
Achten Sie beim Kauf eines Fahrradanhängers auf die CE-Kennzeichnung. Anhänger mit dieser Kennzeichnung erfüllen alle geltenden gesetzlichen Bestimmungen und Standards der Europäischen Union. Auf diese technischen Mindestanforderungen für Kinder-Fahrradanhänger gemäß Fahrradverordnung sollten Sie achten:
- Unabhängige Lichtanlage mit rotem Rücklicht (bei Anhängern breiter als 60 cm: zwei Rücklichter)
- Rückstrahler: rot hinten, weiß vorne, gelb seitlich; bei breiten Anhängern zusätzliche Reflektoren, um die Breite klar zu kennzeichnen (Reflektoren mit Mindestgröße 20 cm²)
- Feststellbremse oder Radblockiereinrichtung
- Mindestens 1,5 m hoher Wimpel in Leuchtfarbe an biegsamer Stange
- Sicheres Gurtsystem, das Kinder nicht leicht öffnen können
- Speichen- und Radabdeckung, die das Hinausbeugen von Kindern und den Beinkontakt mit der Fahrbahn verhindert
- Kupplung, die verhindert, dass der Anhänger umkippt, wenn das Fahrrad stürzt
- Nur für den Personentransport zugelassene Anhänger verwenden; Herstellerangaben zu Gewicht, Größe und Anzahl beachten
Fahrräder müssen beim Ziehen von Anhängern gemäß Fahrradverordnung folgende technische Mindestanforderungen erfüllen:
- Das Fahrrad muss einen Fahrradständer haben. Wir empfehlen einen stabilen Zweibein-Fahrradständer.
- Das Fahrrad muss so ausgerüstet sein, dass das Berühren der Speichen sowie das Einklemmen von Gliedmaßen zwischen Hinterrad und Radabdeckung für die beförderten Kinder ausgeschlossen ist.
- Der Tretmechanismus des Fahrrads muss zumindest eine Gangstufe mit einer Entfaltung von höchstens vier Metern pro Kurbelumdrehung aufweisen.
Weitere Tipps finden Sie im Elternratgeber Mit Klimazwergen unterwegs
Radfahren im Straßenverkehr
Bevor Ihr Kind im Straßenverkehr unterwegs ist, lohnt es sich, zunächst in einer ruhigen Umgebung zu üben. Auf verkehrsfreien Plätzen kann es spielerisch sein Gleichgewicht schulen, die Fahrtechnik verbessern und Sicherheit gewinnen. Übungen wie Anfahren, Bremsen, Spurhalten oder langsames Fahren helfen dabei, Routine aufzubauen.
Sind die Grundlagen gefestigt, lassen sich erste Alltagssituationen auf wenig befahrenen Straßen trainieren. Ob Sie vor, hinter oder neben Ihrem Kind fahren, richtet sich nach dessen Können, der jeweiligen Verkehrslage und Ihrer eigenen Erfahrung. In manchen Situationen ist zusätzliche Anleitung oder ein schützendes Begleiten sinnvoll. Laut § 68 Abs. 2 StVO dürfen Sie als Begleitperson neben einem Kind unter zwölf Jahren auf der Fahrbahn fahren – ausgenommen sind Straßen mit Schienen.
Tipp: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind vor Fahrtanritt klare Kommandos.