Radfahren im Winter: So wird es alltagstauglich
Radfahren geht auch im Winter! Ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder für eine kurze Runde an der frischen Luft – mit warmer Kleidung und etwas Routine wird das Winterradeln für Sie schnell zur Selbstverständlichkeit.
Vielleicht kennen Sie es selbst: Sobald es kühler wird, wandert das Rad oft automatisch in den Keller oder in die Ecke eines Fahrradraumes, obwohl Sie grundsätzlich gerne damit unterwegs sind. Im Winter aufs Fahrrad zu steigen kann Überwindung kosten, vor allem, wenn Sie es noch nie ausprobiert haben. Gewohnheiten können hartnäckig sein – gelingt es jedoch, sie zu ändern, verankern sie sich neu im Alltag. Haben Sie den Schritt einmal gemacht, werden Sie erkennen: Sie sind nicht allein, es fahren mehr Menschen im Winter mit dem Rad, als Sie vielleicht denken. Wer auch in den kalten Monaten aufs Rad steigt, bleibt das ganze Jahr über in Bewegung, spart oft Zeit und umgeht volle Busse oder Staus. Gleichzeitig stärkt die regelmäßige Fahrt an der frischen Luft die Gesundheit und das Wohlbefinden und schafft kleine, bewusste Pausen im Tagesablauf.
Worauf Sie beim Radeln im Winter achten sollten und wie Sie sich zu einer Verhaltensänderung motivieren können, zeigen wir Ihnen hier.
Die Macht der Gewohnheit
Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Wer auch im Winter auf dem Fahrrad unterwegs sein möchte, benötigt am Anfang eine Eingewöhnungsphase. Wenn Sie sich jedoch bewusst darauf einlassen und das Rad immer wieder zur Hand nehmen, kann sich eine neue Gewohnheit entwickeln und festigen. Selbst Kälte oder Schnee werden Ihnen dann nichts mehr anhaben können.
Setzen Sie sich zunächst kleine Ziele. Zum Beispiel könnten Sie einmal in der Woche zur Arbeit oder zum Einkaufen radeln. Wichtig ist zu Beginn, den Einstieg für Sie so einfach wie möglich zu machen. Schwingen Sie sich nicht gerade bei Schneesturm aufs Fahrrad, sondern suchen Sie sich am besten den schönsten Tag der Woche aus. Wichtig: Verbuchen Sie jede Fahrt, egal wie kurz oder lang, als einen Erfolg. Steigern Sie Ihre Fahrten nach und nach in Länge und Häufigkeit. Für eine zusätzliche Motivation kann zudem die Aktion Winterradeln der Kampagne Österreich radelt beitragen: Sammeln Sie Kilometer und gewinnen Sie mit etwas Glück einen der Preise!
Winterfeste Kleidung ist ein Muss
Ein gut sitzender (Schlauch-)Schal vor Mund und Nase sowie dicke Handschuhe mit Grip sind unverzichtbar. Ansonsten gilt das sogenannte „Zwiebelprinzip“: Mehrere dünne Schichten unter einer wasser- und windabweisenden Oberbekleidung sorgen für ausreichenden Schutz vor Kälte. Beim Wegfahren kann es noch kühl sein, doch nach wenigen Minuten Bewegung stellt sich ein angenehmes Wärmegefühl ein.
Gut zu wissen: Wenn Sie viel schwitzen, kühlen Sie schneller aus. Tragen Sie daher nur so viele Schichten wie nötig und packen Sie zur Sicherheit eine zusätzliche Jacke oder auch Kleidung zum Umziehen in den Rucksack.
Fahrradpflege bei Kälte und Schnee
Mit ein paar einfachen Maßnahmen sind Sie sicherer unterwegs und verringern zugleich die Abnutzung Ihres Fahrrads. Besonders wichtig ist im Winter eine regelmäßige Pflege der Kette, da Salz, Matsch und Wasser ihr stark zusetzen. Durch regelmäßige Reinigung und Schmierung beugen Sie Rost wirksam vor. Darüber hinaus sind Reifen mit gutem Profil empfehlenswert.
Gut zu wissen: Wer im Winter keine Reifen wechseln möchte, kann den Reifendruck senken. Dadurch vergrößert sich die Auflagefläche, was die Bodenhaftung verbessert. Orientieren Sie sich dabei am Mindestwert, der auf der Reifenflanke angegeben ist.
Beeindruckende Zahlen aus Finnland
Dass Radfahren auch in der kalten Jahreszeit möglich ist, zeigt nicht nur die Theorie. Ein Blick nach Finnland verdeutlicht, wie weit verbreite Aktive Mobilität, also Zu-Fuß-Gehen und Radfahren, auch bei sehr winterlichen Verhältnissen sein kann.
Ein gutes Beispiel ist die finnische Stadt Oulu. Obwohl dort die Wintermonate deutlich kälter und schneereicher sind als in Österreich, zeigt der sogenannte Modal Split der Stadt, also die Verteilung der Wege auf verschiedene Verkehrsmittel, welchen großen Anteil das Fahrrad hat: Rund ein Achtel der Bevölkerung fährt auch bei Schnee und Eis regelmäßig Rad, und etwa die Hälfte aller Radfahrenden nutzt das Rad das ganze Jahr über.
In Österreich fällt das Bild differenzierter aus: Zwar gehen laut dem Report Aktive Mobilität 2024 rund 88 Prozent der Befragten auch bei Kälte zu Fuß, und immerhin greifen 39 Prozent der Radfahrer:innen auch im Winter zum Rad. Bei Schneelage nimmt die Nutzung jedoch deutlich ab – ein Hinweis darauf, wie wichtig ein guter Winterdienst für den Radverkehr ist. Die Stadt Oulu zeigt es vor.
Einfach ausprobieren!
Langfristige Veränderungen entstehen wie erwähnt nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Probieren Sie Neues aus: Kombinieren Sie unterschiedliche Verkehrsmittel und entdecken Sie, was am besten zu Ihnen passt. Zum Beispiel können Sie morgens mit dem Rad zum Bahnhof fahren, dort auf den Zug umsteigen und den Rückweg später komplett mit dem Fahrrad zurücklegen. Entscheidend ist, was sich in Ihrem Alltag bewährt.