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Alleinunfälle bei Radfahrenden nehmen deutlich zu

Die Zahl der Radunfälle, an denen keine anderen Verkehrsteilnehmenden beteiligt sind, steigt. Dabei sind Fahrer:innen von E-Bikes häufiger betroffen und erleiden schwerere Verletzungen. Um dies zu vermeiden, gibt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) Empfehlungen zur Gestaltung der Infrastruktur sowie Trainings.

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Das sollten Sie wissen

Alleinunfälle Radfahrende

Fast die Hälfte aller Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung sind Alleinunfälle.

Unfallschwere

Knapp 30 Prozent aller Alleinunfälle mit Radfahrenden hatten schwere Verletzungen zur Folge. 

E-Bike

Alleinunfälle treten bei E-Bike-Fahrenden häufiger auf, gleichzeitig steigt der Anteil an E-Bikes.

Dunkelziffer

Wie Krankenhausdaten zeigen, ist die Dunkelziffer bei Alleinunfällen mit leichten Verletzungen hoch.

Hohe Dunkelziffer bei Alleinunfällen

Laut Statistik Austria gab es im Jahr 2024 in Österreich 4.789 Alleinunfälle von Radfahrenden mit Personenschaden. Dabei handelt es sich um Unfälle, bei denen keine weiteren Verkehrsteilnehmer:innen involviert sind und die somit nur die bzw. den Radfahrende:n und mögliche Mitfahrende betreffen. Knapp 30 Prozent der allein verunglückten Radfahrenden waren schwer verletzt, 15 Personen verstarben. Während Alleinunfälle im Jahr 2000 noch für 22 Prozent aller Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung verantwortlich waren, stieg dieser Wert bis 2024 auf 48 Prozent. Bei Alleinunfällen ist zudem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Vor allem Unfälle mit leichteren Verletzungen scheinen selten in Statistiken auf. Laut einer Auswertung von Krankenhausdaten durch das KFV gibt es sechsmal so viele Alleinunfälle von Radfahrenden, die eine Behandlung im Krankenhaus erfordern, wie in der Unfallstatistik erfasst sind.

E-Bike-Fahrer:innen sind stärker betroffen

Alleinunfälle treten bei E‑Bike‑Fahrenden nicht nur häufiger auf, sondern führen im Durchschnitt auch zu schwereren Verletzungen. Während bei herkömmlichen Fahrrädern 45 Prozent der Unfälle mit Verletzungs- oder Todesfolge Alleinunfälle sind, liegt dieser Anteil bei E‑Bikes bei 52 Prozent.

Von den im Jahr 2023 und 2024 verunglückten Personen verletzte sich rund ein Viertel der Fahrenden herkömmlicher Fahrräder schwer, bei E‑Bike‑Fahrenden war es etwa ein Drittel. Der Anteil der tödlich Verunglückten lag bei 0,1 Prozent bzw. 0,7 Prozent.

Die zunehmende Verbreitung von E‑Bikes in den vergangenen Jahren trägt zu dieser Entwicklung bei. Gleichzeitig deutet der gestiegene Anteil an Alleinunfällen darauf hin, dass der bisherige Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsmaßnahmen – insbesondere die Entschärfung von Knotenpunkten – auf Unfällen mit mehreren Beteiligten lag.

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Unfallbegünstigende Infrastruktur und Verhalten 

Alleinunfälle werden einerseits durch eine unfallbegünstigende Infrastruktur und andererseits durch unfallbegünstigendes Verhalten verursacht. Zu letzterem gehören vor allem Ablenkung, Unachtsamkeit sowie nicht angepasste Geschwindigkeit, Fahren unter Alkoholeinfluss und falsches Bremsen. 

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat Radfahrende befragt, die auf dem Arbeitsweg verunglückt sind: Rund die Hälfte der Alleinunfälle ereignete sich auf Abschnitten ohne Kreuzung oder Querung und ein Fünftel im Gefälle. Bei Alleinunfällen spielen die üblichen Problemfelder, wie etwa Knotenpunkte, eine geringere Rolle. 

Wesentliche Einflussfaktoren der Infrastruktur:

  • Griffigkeit der Oberfläche

  • Randsteine: Eine geringe verbleibende Randsteinhöhe in Kombination mit einem spitzen Anfahrwinkel führt häufig zu Unfällen. Oft wird auch der Abstand falsch eingeschätzt oder der Randstein kommt bei Ausweichmanövern in die Quere.

  • Straßenbahngleise: Wenn der Radverkehr nahe an den Gleisen geführt wird oder es zu einer spitzwinkeligen Querung der Gleise kommt.

  • Weitere Faktoren sind beschädigte Oberflächen, Fahrbahnverunreinigungen und unbefestigte Wege.

Sichere Infrastruktur, die auch Fehler verzeiht

Um die Zahl der Alleinunfälle zu reduzieren, ist eine sichere Radinfrastruktur erforderlich, die bei Fahrfehlern nicht unmittelbar zu Unfällen führt.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) gibt dazu folgende Empfehlungen:

  • Die Grundlagen guter Radinfrastruktur einhalten: sicher, eindeutig, wiedererkennbar und attraktiv.

  • Abstände: breite Radverkehrsanlagen sowie ausreichende Abstände zu Fahrbahnrand, Schienen und Kanten.

  • Randsteine: Vor allem bei Übergangsstellen sollen Nullabsenkungen oder bei jeder Wetterlage sicher überfahrbare Randsteine zum Einsatz kommen.

  • Radverkehr auf Straßen mit Schienen: Hier muss der Abstand so groß sein, dass auch bei Ausweichmanövern – etwa aufgrund einer geöffneten Fahrzeugtür eines parkenden Autos – die Schienen nicht überfahren werden müssen. Hauptradrouten und Radschnellverbindungen sollten nicht auf Straßen mit Schienen geführt werden.

  • Wartung, Reinigung und Winterdienst: Vor allem die Reinigung von Laub ist wichtig, da es die Griffigkeit reduziert und Höhenunterschiede oder Schäden verdecken kann. Auch angrenzende Grünflächen müssen regelmäßig gepflegt werden, um Ausweichmanöver aufgrund zu langer Äste zu vermeiden. Beim Bau der Radwege ist außerdem darauf zu achten, dass sie gut mit Schneepflügen und Ähnlichem befahrbar sind.

  • Radfahrkompetenzen: Vor allem für Personen, die mit einem E-Fahrrad beginnen und wenig Radfahr-Erfahrung haben, sind Trainings wichtig. Auch für das Fahren mit einem Transportrad sind Übungsfahrten sinnvoll.

  • Erfassung von Alleinunfällen: Eine möglichst vollständige Datenbasis ist notwendig, um Unfallhäufungsstellen entgegenwirken zu können. Alleinunfälle mit schweren Verletzungsfolgen, die nicht polizeilich erfasst werden, sollten in Krankenhäusern dokumentiert und an die Polizei oder die kommunalen Behörden weitergeleitet werden.

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